Daniela Joachim

Pressemitteilung: Patient:innen zurück auf den Schwarzmarkt? – Gemeinsamer Bundesausschuss bedroht etablierte Versorgung von schwerstkranken Patient:innen mit Cannabis als Medizin

Patient:innen zurück auf den Schwarzmarkt? – Gemeinsamer Bundesausschuss bedroht etablierte Versorgung von schwerstkranken Patient:innen mit Cannabis als Medizin

Berlin, 30.11.2022: „Es besteht die Gefahr, dass schon bald wieder viele schwerstkranke Patient:innen in den Schwarzmarkt zurück gezwungen werden“, ist die einhellige Meinung der Fachverbände  von Patient:innen, Ärzt:innen, Apotheker:innen und Herstellern auf den neuen Richtlinienentwurf des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zum zukünftigen Umgang mit Cannabis als Medizin. Heute wurden die Stellungnahmen verschiedener Verbände beim G-BA eingereicht.

Im am 01.11.2022 veröffentlichten Richtlinienentwurf des G-BA wird unter anderem vorgeschlagen, dass getrocknete Cannabisblüten nur noch nach besonderer Begründung verordnet und erstattet werden dürfen. Gleichzeitig wird angeregt, dass es zukünftig nur noch bestimmten Fachärzt:innen erlaubt sein soll, Rezepte für cannabisbasierte Medikamente auszustellen. Hausärzt:innen wären bei der Versorgung von Patient:innen damit außen vor. Darüber hinaus werden zahlreiche und zusätzliche bürokratische Hürden empfohlen, die das Verordnen von Cannabis in den unterschiedlichen Applikationsformen weiter erschweren würden.

Im Jahr 2017 beschloss der Deutsche Bundestag das Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften („Cannabis-als-Medizin-Gesetz“), welches den Weg für Therapien mit Cannabis in der Breite eröffnete und bis heute mehreren zehntausend Patient:innen mit schweren Krankheiten eine deutliche Steigerung ihrer Lebensqualität ermöglichte.  Nach dem Willen von Teilen des G-BA soll die Versorgung der Bevölkerung mit cannabisbasierten Medikamenten aber nicht etwa erleichtert, sondern weiter erschwert werden. Patient:innen würden dadurch im schlimmsten Falle (zurück) in die Illegalität gedrängt oder müssten ihre Therapie abbrechen, wenn ihnen der Zugang zu Therapien erschwert wird und sie nicht in der Lage sind, die Kosten dafür selbst zu tragen.

Nach Einschätzung der unterzeichnenden Verbände widersprechen die vom G-BA gegebenen Empfehlungen den Zielen und dem Willen des Gesetzgebers, die er mit dem Cannabis-als-Medizin-Gesetz seit 2017 verfolgte.

Darüber hinaus sind die vorgeschlagenen Neuregelungen – mit Blick auf die geplante Legalisierung von Cannabis als Genussmittel – ein Schlag ins Gesicht der Patient:innen, die seit Jahren erfolgreich mit cannabisbasierten Medikamenten behandelt werden. Während darüber debattiert wird, Cannabis zu legalisieren, da die Gefahren für die Gesundheit durch den Schwarzmarkt mit den dazugehörigen Risiken zu groß sind, werden Patient:innen im schlimmsten Fall genau in diesen bzw. zum Eigenanbau gezwungen.

Weiterhin sind Teile des G-BA-Richtlinienentwurfs ein direkter Angriff auf die Therapiefreiheit der Ärzt:innen. Während der aktuelle Rechtsrahmen bereits jetzt große Hürden für die Verschreibung von Cannabis als Medizin setzt, würden in Zukunft noch weniger Ärzt:innen in der Lage sein, über die richtige Behandlungsmethode für ihre Patient:innen zu entscheiden.

Nicht zuletzt beruhen die derzeitigen Entwürfe der neuen G-BA-Richtlinie auf den Erkenntnissen der Begleiterhebung, welche einerseits nicht als wissenschaftliche Studie verstanden werden darf und andererseits nur einen Bruchteil der Patient:innen abbildet und damit nicht repräsentativ ist. Trotz dieser methodischen Einschränkung schlussfolgern die Verfasser der Begleiterhebung u. a., dass in nahezu 75 % der Fälle durch die Anwendung von Cannabisarzneimitteln eine Besserung der Symptomatik erreicht wurde. Berichtete Nebenwirkungen waren häufig, aber in der Regel nicht schwerwiegend. Somit überrascht es sehr, dass die nun vorliegenden Entwürfe der neuen G-BA- Richtlinie den Zugang für eine cannabisbasierte Medikation insbesondere für Kassenpatient:innen deutlich einschränken würde.

Deutschland ist in den vergangenen fünf Jahren für seine Vorreiterrolle beim Umgang mit Cannabis als Medizin als Vorbild bewundert worden. Tausende schwerkranke Patient:innen konnten ihre Lebensqualität deutlich verbessern. Weltweit wurden Regierungen anderer Länder durch die deutschen Erfahrungen ermutigt, selbst entsprechende Schritte zu unternehmen. Doch heute stehen wir vor einer Rolle rückwärts bei Medizinalcannabis, während wir gleichzeitig im Genussmittelbereich drei Rollen vorwärts machen wollen. Und dies, obwohl viele bis heute un- und unterversorgte Patient:innen auf Verbesserungen im Cannabis-als-Medizin-Gesetz wie eine Abschaffung des Genehmigungsvorbehalts hofften.

Patient:innen brauchen ärztliche Begleitung und eine Möglichkeit der Erstattung durch die Krankenkassen. Wenn wir jetzt die Rolle rückwärts vollziehen, lassen wir die Schwächsten unserer Gesellschaft – die schwerkranken Patient:innen – im Regen stehen.

Die Verbände haben ihre Stellungnahmen gegen die vorgesehenen Verschlechterungen bei der Versorgung mit Cannabismedikamenten fristgerecht beim G-BA eingereicht und setzen sich weiter dafür ein, dass auch im Bereich Cannabis als Medizin Schritte nach vorn gemacht werden.

Den Richtlinienentwurf des G-BA zum zukünftigen Umgang mit Cannabis als Medizin finden Sie hier: Beschluss Arzneimittel-Richtlinie: Einleitung eines Stellungnahmeverfahrens – § 4a und Abschnitt N §§ 44 bis 46 (Cannabisarzneimittel)

Ansprechpartner für die Presse:

Dirk Heitepriem
Vizepräsident BvCW, Vice President External Affairs Aurora Europe GmbH
Telefon: 0170 64 00 306
E-Mail: dirk.heitepriem@auroramedicine.com

Dr. Franziska Spitzner
Mitglied des Vorstandes und Leiterin der AG Forschung im BPC, Lead Medical Affairs DEMECAN
Telefon: 0151 25815804
E-Mail: spitzner@bpc-deutschland.de

Über die Verbände:

Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V. (ACM)
Ansprechpartner: Dr. med. Franjo Grotenhermen, Prof. Dr. med. Kirsten Müller-Vahl
Telefon: 05233 953 72 46
Webseite: https://www.arbeitsgemeinschaft-cannabis-medizin.de/
E-Mail: info@arbeitsgemeinschaft-cannabis-medizin.de

Die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V. (ACM) wurde 1997 in Köln gegründet. In ihr haben sich Ärzt:innen, Apotheker:innen, Patient:innen, Jurist:innen und andere Interessierte aus Deutschland und der Schweiz organisiert. Die ACM hat in den vergangenen 25 Jahren maßgeblich an den Verbesserungen bei der medizinischen Verwendung von Cannabis und Cannabinoiden in Deutschland mitgewirkt. So wurde durch eine von der ACM initiierte Verfassungsbeschwerde und nachfolgende Musterprozesse vor den Verwaltungsgerichten der Weg für Ausnahmeerlaubnisse für die Verwendung von Cannabis aus der Apotheke im Jahr 2007 und schließlich für das Gesetz aus dem Jahr 2017 bereitet.


Bund Deutscher Cannabis-Patienten e.V. (BDCan)
Ansprechpartnerin: Daniela Joachim
Telefon: 0201 6485 08 52
Webseite: https://bdcan.de/
E-Mail: info@bdcan.de

Der Bund Deutscher Cannabis-Patienten e.V. (BDCan) als gemeinnütziger Verein setzt sich durch direkten Austausch mit der Politik, Ärzt:innen, Apotheker:innen, Krankenkassen, MDK sowie der Industrie dafür ein, dass Patient:innen mit qualitativ hochwertigen Cannabisarzneimitteln in verschiedenen Darreichungsformen flächendeckend von den niedergelassenen Apotheken vor Ort und zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherungen versorgt werden, wenn eine Therapie mit Cannabinoiden indiziert ist. Zudem bieten wir unseren Mitgliedern Unterstützung bei der Gründung von Selbsthilfegruppen und beraten in diesen sowie über unsere Hotline und per E-Mail zu allen Fragen rund um die Therapie mit Medizinalcannabis.


Branchenverband Cannabiswirtschaft e.V. (BvCW)
Ansprechpartner & V.i.S.d.P.: Jürgen Neumeyer, Geschäftsführer
Telefon: 0163 9860 888
Fachlicher Ansprechpartner: Dr. Armin Prasch, Fachbereichskoordinator Medizinalcannabis
Webseite: https://cannabiswirtschaft.de/
E-Mail: kontakt@cannabiswirtschaft.de

Der BvCW ist die Stimme der Cannabiswirtschaft in Deutschland und vertritt alle Branchensegmente und Unternehmens-größen gegenüber Politik und Verwaltung. Unsere Fachbereiche gliedern sich in „Genussmittelregulierung“, „Nutzhanf & Lebensmittel“, „Medizinalcannabis“, „CBD et al.“ sowie “Technik, Handel & Dienstleistung”. Wir bündeln industriepolitische, technologische, wissenschaftliche und wirtschaftliche Expertise und setzen uns für bessere politischen Rahmenbedingungen ein.


Bundesverband pharmazeutischer Cannabinoidunternehmen e.V. (BPC)
Ansprechpartnerin: Christina Schwarzer, Geschäftsführerin
Telefon: 030 235 939 590
Webseite: https://bpc-deutschland.de/
E-Mail: info@bpc-deutschland.de

Der Bundesverband pharmazeutischer Cannabinoidunternehmen e.V. (BPC) gewährleistet Patient:innen die bestmögliche Versorgung mit qualitätsgesichertem medizinischen Cannabis in Deutschland. Der Verband fördert eine zukunftsfähige Weiterentwicklung von Cannabinoid-Therapien und stärkt somit gleichzeitig die Position der pharmazeutischen Cannabinoid-Branche in Deutschland und im internationalen Markt. Ziel des BPC ist die Versorgungssicherheit von Patient:innen mit qualitätsgesichertem medizinischen Cannabis. Der BPC bündelt die Expertise seiner Mitglieder und setzt sich maßgeblich für ideale Anbau- und Versorgungsstrukturen von Medizinalcannabis ein. Diese einzigartige Kombination ermöglicht dem BPC die bestmögliche Vertretung der Interessen der deutschen Cannabinoid-Branche sowie eine klare Positionierung gegenüber Entscheidungsträgern.


Deutsche Medizinal-Cannabis Gesellschaft e.V. (DMCG)
Ansprechpartner: Dr. med. Dipl.-Chem. Konrad F. Cimander, Vorstand DMCG e.V.
Telefon: 0162 2305216
Website: www.medi-can.de
E-Mail: dmcg@medi-can.de

Mit unserem visionären Leitgedanken „Medizinal-Cannabis – Gesundheit wächst!“ bildet die Deutsche Medizinal-Cannabis Gesellschaft e.V. (DMCG) eine Plattform für Ärzt:innen und verbundene Berufsgruppen zur gemeinsamen Arbeit rund um das Thema Cannabis in der Medizin. Gegründet im September 2020 verfolgt die noch junge Fachgesellschaft den Zweck, die wissenschaftliche und praktische Arbeit zur Erforschung der Wirkungsweise sowie der Anwendungsfelder von cannabishaltigen Medikamenten zur Prävention, Behandlung und Nachsorge von Krankheiten, krankheitsähnlichen Beeinträchtigungen oder Zuständen sowie des ganzheitlichen Einsatzes bei Patient:innen im öffentlichen Gesundheitswesen zu fördern und zu unterstützen. Die DMCG ist Schirmherr des jährlich veranstalteten Medicinal Cannabis Congress in Berlin.


Interdisziplinärer Arbeitskreis Brandenburger Schmerztherapeuten und Palliativmediziner e.V. (IABSP)
Ansprechpartner: Dr. med. Christoph Wendelmuth, Dr. med. Knud Gastmeier
Telefon: 0331 743070
Webseite: https://www.iabsp.de
E-Mail: info@iabsp.de

Der Arbeitskreis IABSP wurde 1993 in Kleinmachnow gegründet. In ihm haben sich Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen aus Brandenburg organisiert, die sich mit den regionalen Problemen im Zusammenhang mit der Schmerz- und Palliativmedizin befassen und konstruktiv nach Lösungen suchen. Der IABSP hat auf verschiedenster Art und Weise seit 2000 maßgeblich an den Verbesserungen bei der medizinischen Verwendung von Cannabis und Cannabinoiden in Brandenburg mitgewirkt.


Patientenverband Selbsthilfenetzwerk Cannabis-Medizin (SCM)
Ansprechpartner: Gero Kohlhaas / Maximilian Plenert
Telefon: 05233 953 72 46
Website: https://selbsthilfenetzwerk-cannabis-medizin.de/
E-Mail: gero.kohlhaas@selbsthilfenetzwerk-cannabis-medizin.de / maximilian.plenert@selbsthilfenetzwerk-cannabis-medizin.de

Das Selbsthilfenetzwerk Cannabis als Medizin (SCM) ist die weitaus größte und älteste Vereinigung von Cannabispatient:innen in Deutschland. Es ist ein Netzwerk Betroffener innerhalb der ACM. Zusammen mit ihren ausgebildeten Patientenberatern, den örtlichen Selbsthilfegruppen und einem Patiententelefon, ist die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin und deren Selbsthilfenetzwerk von Cannabispatienten die in Deutschland führende Stelle für Ratsuchende und Interessierte. SCM und ACM e. V. bieten Information, Beratung, Organisationsmöglichkeiten und Unterstützung, und damit Grundlagen für erkämpfte Meilensteine wie das “Cannabis als Medizin”-Gesetz.


Verband der Cannabis versorgenden Apotheken e.V. (VCA)
Ansprechpartnerin: Dr. Christiane Neubaur, Geschäftsführerin
Telefon: 0208 9912 9921
Webseite: https://vca-deutschland.de/
E-Mail: info@vca-deutschland.de

Das erklärte Ziel des VCA ist es, in Deutschland eine effiziente und bezahlbare Versorgung von Patient:innen mit medizinischem Cannabis sicherzustellen. Diese Versorgungspflicht sieht der Verband ganz klar bei den pharmazeutischen Expert:innen in der Apotheke. Denn gemäß § 1 Apothekengesetz obliegt den Apotheken die im öffentlichen Interesse gebotene Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Arzneimittelversorgung der Bevölkerung. Hier ist der Kontaktpunkt für Patient:innen, vor, während und nach dem Erhalt einer ärztlichen Verordnung. Das pharmazeutische Fachpersonal kann optimal beraten und therapeutisch begleiten.

Pressemitteilung Cannabis-Verbände: Die Versorgung mit medizinischem Cannabis muss verbessert werden!

Cannabis-Verbände: Die Versorgung mit medizinischem Cannabis muss verbessert werden!

“So wie es ist, kann es nicht bleiben.” Das ist der Tenor einer gemeinsamen Erklärung von acht Verbänden, die sich für Verbesserungen bei der Versorgung der Bevölkerung mit Cannabisarzneimitteln einsetzen.

Die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene wird von der deutschen Bundesregierung auf den Weg gebracht. Mit einem Eckpunktepapier der Bundesregierung wird im 4. Quartal 2022 und mit einem Gesetzentwurf Ende 2022 oder Anfang 2023 gerechnet. Die Verbände fordern, dass im Rahmen der geplanten Legalisierung von Cannabis als Genussmittel auch an die Bürger:innen gedacht wird, die Produkte aus der Hanfpflanze am dringendsten benötigen: Patient:innen, die von einer cannabisbasierten Therapie profitieren. Die gesundheitlichen Verbesserungen sind zum Teil erheblich. Viele werden wieder arbeitsfähig und haben eine deutlich gesteigerte Lebensqualität. Zwar dürfen Ärzt:innen seit 2017 Cannabisarzneimittel verschreiben, vom angestrebten Ziel des Gesetzgebers einer ausreichenden Versorgung der Bevölkerung mit solchen Medikamenten ist Deutschland allerdings noch weit entfernt.

„Viele Patient:innen, die Cannabis aus medizinischen Gründen benötigen, sind gegenwärtig weiterhin in die Illegalität gedrängt oder werden sogar strafrechtlich verfolgt,“ heißt es in der Erklärung. Der Grund liege insbesondere in der hohen Ablehnungsquote von Kostenübernahmeanträgen durch die Krankenkassen und damit verbunden das Ausweichen auf den illegalen Markt. Eine weitere daraus resultierende Notlösung ist die Eigenfinanzierung von ärztlicher Behandlung und Arzneimitteln. „Viele Patient:innen können sich diese Behandlungskosten und die Medikamente aus der Apotheke aus finanziellen Gründen nicht leisten, sodass eine soziale Schieflage entstanden ist“, lautet die Analyse in dem gemeinsamen Verbändepapier.

„Patient:innen mit einer ärztlich bescheinigten Notwendigkeit für eine cannabisbasierte Therapie sollten nicht länger Gefahr laufen, strafrechtlich verfolgt zu werden“, fordert Dr. med. Franjo Grotenhermen, stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V. (ACM). „Die anhaltende Kriminalisierung vieler unbescholtener Bürger:innen, die sich mit Cannabis selbst therapieren müssen, ist einem modernen und reichen Land wie Deutschland unwürdig. Auch bei der Behandlung mit Cannabis-Medikamenten muss die Therapiehoheit da liegen, wo sie hingehört, bei den behandelnden Ärzt:innen.“

Nach fünf Jahren Erfahrung mit dem “Cannabis als Medizin”-Gesetz sei eine Novellierung dringend geboten. „Derzeit werden noch immer fast 40% aller Anträge auf Kostenübernahme durch die Krankenkassen abgelehnt, was zu einer hohen Quote von Privatzahler:innen in unseren Apotheken führte“, sagt Dr. Christiane Neubaur, Geschäftsführerin des Verbandes der Cannabis versorgenden Apotheken e.V. (VCA). Gero Kohlhaas vom Patientenverband Selbsthilfenetzwerk Cannabis-Medizin (SCM) betont: „Zu wenige Ärzt:innen verschreiben diese hochwirksame Therapie aufgrund der bürokratischen Hürden. Der Genehmigungsvorbehalt muss abgeschafft werden, um Patient:innen unabhängig von ihren finanziellen Möglichkeiten Zugang zu einer notwendigen Therapie zu gewährleisten. Gleichzeitig müssen verschreibende Ärzt:innen vor einem Regress geschützt werden.“

Der Bedarf von Cannabis als Genussmittel wird konservativ auf etwa 400 Tonnen pro Jahr geschätzt. Maximilian Schmitt, Vorsitzender des Vorstands des Bundesverbandes pharmazeutische Cannabinoidunternehmen e.V. (BPC), fordert deshalb: „Der legale Markt darf auf keinen Fall die Versorgung mit Produkten für den medizinischen Bereich gefährden. Um die therapeutischen Bedürfnisse von Patient:innen sicherzustellen, sollte deshalb der Bedarf an Medizinalcannabis vorrangig gedeckt werden.“

Die Aufsichtsbehörden der Bundesländer behandeln medizinisches Cannabis darüber hinaus sehr uneinheitlich. „Eine zuverlässige Versorgung von Patient:innen mit qualitativ hochwertigen und geprüften Produkten braucht dringend bundeseinheitliche Rahmenbedingungen“, sagt Dirk Heitepriem, Vizepräsident des Branchenverbandes Cannabiswirtschaft e.V. (BvCW). „Egal in welchem Bundesland, Ärzt:innen und Patient:innen müssen die Sicherheit haben, immer die gleiche Qualität zu erhalten“.

In der gemeinsamen Erklärung wird darüber hinaus die Bedeutung von klinischer Forschung und der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses betont: “Um bestehende Wissenslücken zu schließen, muss die klinische Forschung im Bereich Medizinalcannabis dringend durch bessere Rahmenbedingungen und Forschungsgelder gefördert werden. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Bedeutung des Endocannabinoidsystems für den gesunden Organismus und die Pathogenese und Behandlung von Erkrankungen müssen außerdem als fester Bestandteil in die medizinische und pharmazeutische Lehre aufgenommen werden.“

  • Die Forderungen der Verbände im Überblick:
  • Genehmigungsvorbehalt abschaffen und Kostenerstattung für Patient:innen sichern
  • Therapiehoheit für Ärzt:innen wiederherstellen (§ 31 Abs. 6 SGB V)
  • Soziale Schieflage bei der Versorgung mit Medizinalcannabis überwinden
  • Bestehenden Rechtsrahmen für medizinisches Cannabis bundesweit einheitlich umsetzen
  • Qualität und Sicherheit für Medizinalcannabis sicherstellen
  • Versorgung von Patient:innen mit qualitätsgesicherten cannabisbasierten Arzneimitteln vorrangig sichern
  • Klinische Forschung durch bessere Rahmenbedingungen sowie finanzielle Unterstützung fördern
  • Grundlagen des Endocannabinoidsystems und des therapeutischen Potenzials von Cannabinoiden in der medizinischen und pharmazeutischen Lehre verankern
Ansprechpartner für die Presse:

Wissenschaft, Ärzteschaft und Patient:innen:
Dr. med. Franjo Grotenhermen, Prof. Dr. med. Kirsten Müller-Vahl
Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V.
Telefon: 05233 953 72 46
E-Mail: info@arbeitsgemeinschaft-cannabis-medizin.de

 

Wirtschaft und Apothekerschaft:
Dirk Heitepriem
Vizepräsident Branchenverband Cannabiswirtschaft e.V.
Telefon: 0170 64 00 306
E-Mail: dh@cannabiswirtschaft.de

Über die Verbände:

Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V. (ACM)
Ansprechpartner: Dr. med. Franjo Grotenhermen, Prof. Dr. med. Kirsten Müller-Vahl
Telefon: 05233 953 72 46
Webseite: https://www.arbeitsgemeinschaft-cannabis-medizin.de/
E-Mail: info@arbeitsgemeinschaft-cannabis-medizin.de

Die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V. (ACM) wurde 1997 in Köln gegründet. In ihr haben sich Ärzt:innen, Apotheker:innen, Patient:innen, Jurist:innen und andere Interessierte aus Deutschland und der Schweiz organisiert. Die ACM hat in den vergangenen 25 Jahren maßgeblich an den Verbesserungen bei der medizinischen Verwendung von Cannabis und Cannabinoiden in Deutschland mitgewirkt. So wurde durch eine von der ACM initiierte Verfassungsbeschwerde und nachfolgende Musterprozesse vor den Verwaltungsgerichten der Weg für Ausnahmeerlaubnisse für die Verwendung von Cannabis aus der Apotheke im Jahr 2007 und schließlich für das Gesetz aus dem Jahr 2017 bereitet.

Bund Deutscher Cannabis-Patienten e.V. (BDCan)
Ansprechpartnerin: Daniela Joachim
Telefon: 0201 6485 08 52
Webseite: https://bdcan.de/
E-Mail: info@bdcan.de

Der Bund Deutscher Cannabis-Patienten e.V. (BDCan) als gemeinnütziger Verein setzt sich durch direkten Austausch mit der Politik, Ärzt:innen, Apotheker:innen, Krankenkassen, MDK sowie der Industrie dafür ein, dass Patient:innen mit qualitativ hochwertigen Cannabisarzneimitteln in verschiedenen Darreichungsformen flächendeckend von den niedergelassenen Apotheken vor Ort und zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherungen versorgt werden, wenn eine Therapie mit Cannabinoiden indiziert ist. Zudem bieten wir unseren Mitgliedern Unterstützung bei der Gründung von Selbsthilfegruppen und beraten in diesen sowie über unsere Hotline und per E-Mail zu allen Fragen rund um die Therapie mit Medizinalcannabis.

Branchenverband Cannabiswirtschaft e.V. (BvCW)
Ansprechpartner: Jürgen Neumeyer
Telefon: 0163 9860 888
Webseite: https://cannabiswirtschaft.de/
E-Mail: kontakt@cannabiswirtschaft.de

Der BvCW ist die Stimme der Cannabiswirtschaft in Deutschland und vertritt alle Branchensegmente und Unternehmensgrößen gegenüber Politik und Verwaltung. Unsere Fachbereiche gliedern sich in „Genussmittelregulierung“, „Nutzhanf & Lebensmittel“, „Medizinalcannabis“, „CBD et al.“ sowie “Technik, Handel & Dienstleistung”. Wir bündeln industriepolitische, technologische, wissenschaftliche und wirtschaftliche Expertise und setzen uns für bessere politischen Rahmenbedingungen ein.

Bundesverband pharmazeutischer Cannabinoidunternehmen e.V. (BPC)
Ansprechpartnerin: Christina Schwarzer
Telefon: 030 235 939 590
Webseite: https://bpc-deutschland.de/
E-Mail: info@bpc-deutschland.de
Der Bundesverband pharmazeutischer Cannabinoidunternehmen e.V. (BPC) gewährleistet Patient:innen die bestmögliche Versorgung mit qualitätsgesichertem medizinischen Cannabis in Deutschland. Der Verband fördert eine zukunftsfähige Weiterentwicklung von Cannabinoid-Therapien und stärkt somit gleichzeitig die Position der pharmazeutischen Cannabinoid-Branche in Deutschland und im internationalen Markt. Ziel des BPC ist die Versorgungssicherheit von Patient:innen mit qualitätsgesichertem medizinischen Cannabis. Der BPC bündelt die Expertise seiner Mitglieder und setzt sich maßgeblich für ideale Anbau- und Versorgungsstrukturen von Medizinalcannabis ein. Diese einzigartige Kombination ermöglicht dem BPC die bestmögliche Vertretung der Interessen der deutschen Cannabinoid-Branche sowie eine klare Positionierung gegenüber Entscheidungsträgern.

Deutsche Medizinal-Cannabis Gesellschaft e.V. (DMCG)
Ansprechpartner: Dr. Konrad F. Cimander
Telefon: 0162 2305216
Website: https://medi-can.de
E-Mail: dmcg@medi-can.de

Mit unserem visionären Leitgedanken „Medizinal-Cannabis – Gesundheit wächst!“ bildet die Deutsche Medizinal-Cannabis Gesellschaft e.V. (DMCG) eine Plattform für Ärzt:innen und verbundene Berufsgruppen zur gemeinsamen Arbeit rund um das Thema Cannabis in der Medizin. Gegründet im September 2020 verfolgt die noch junge Fachgesellschaft den Zweck, die wissenschaftliche und praktische Arbeit zur Erforschung der Wirkungsweise sowie der Anwendungsfelder von cannabishaltigen Medikamenten zur Prävention, Behandlung und Nachsorge von Krankheiten, krankheitsähnlichen Beeinträchtigungen oder Zuständen sowie des ganzheitlichen Einsatzes bei Patient:innen im öffentlichen Gesundheitswesen zu fördern und zu unterstützen. Die DMCG ist Schirmherr des jährlich veranstalteten Medicinal Cannabis Congress in Berlin.

Patientenverband Selbsthilfenetzwerk Cannabis-Medizin (SCM)
Ansprechpartner: Gero Kohlhaas
Telefon: 05233 953 72 46
Website: https://selbsthilfenetzwerk-cannabis-medizin.de/
E-Mail: gero.kohlhaas@selbsthilfenetzwerk-cannabis-medizin.de

Das Selbsthilfenetzwerk Cannabis als Medizin (SCM) ist die weitaus größte und älteste Vereinigung von Cannabispatient:innen in Deutschland. Es ist ein Netzwerk Betroffener innerhalb der ACM. Zusammen mit ihren ausgebildeten Patientenberatern, den örtlichen Selbsthilfegruppen und einem Patiententelefon, ist die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin und deren Selbsthilfenetzwerk von Cannabispatienten die in Deutschland führende Stelle für Ratsuchende und Interessierte. SCM und ACM e. V. bieten Information, Beratung, Organisationsmöglichkeiten und Unterstützung, und damit Grundlagen für erkämpfte Meilensteine wie das “Cannabis als Medizin”-Gesetz.

Verband der Cannabis versorgenden Apotheken e.V. (VCA)
Ansprechpartnerin: Dr. Christiane Neubaur
Telefon: 0208 9912 99 21
Webseite: https://vca-deutschland.de/
E-Mail: info@vca-deutschland.de

Das erklärte Ziel des VCA ist es, in Deutschland eine effiziente und bezahlbare Versorgung von Patient:innen mit medizinischem Cannabis sicherzustellen. Diese Versorgungspflicht sieht der Verband ganz klar bei den pharmazeutischen Expert:innen in der Apotheke. Denn gemäß § 1 Apothekengesetz obliegt den Apotheken die im öffentlichen Interesse gebotene Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Arzneimittelversorgung der Bevölkerung. Hier ist der Kontaktpunkt für Patient:innen, vor, während und nach dem Erhalt einer ärztlichen Verordnung. Das pharmazeutische Fachpersonal kann optimal beraten und therapeutisch begleiten.

Wissenschaftsnetzwerk Cannabinoide in der Medizin (WCM)
Ansprechpartner: Professor Dr. Sven Gottschling
Telefon: 06841 16 28510
Webseite: https://www.wissenschaft-cannabinoide.de/
E-Mail: zentrum.palliativmedizin@uks.eu

Das Wissenschaftsnetzwerk Cannabinoide in der Medizin (WCM) ist ein informeller Zusammenschluss deutschsprachiger Wissenschaftler:innen, die sich aus verschiedenen Blickwinkeln und mit unterschiedlichen Schwerpunkten mit dem medizinischen Potenzial, den Risiken und dem therapeutischen Einsatz von Cannabis und Cannabinoiden beschäftigen. Das WCM ermöglicht einen transdisziplinären und interprofessionellen Austausch, um den wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn zu Cannabinoiden in der Medizin zu fördern. Das WCM ist offen für Anfragen aus der Medizin und anderen Gesundheitswissenschaften, Politik, Industrie, Medien und anderen gesellschaftlichen Akteur:innen, die wissenschaftsbasierte Antworten auf Fragen aus dem gesamten Spektrum pharmakologischer und toxikologischer Wirkungen cannabisbasierter Medikamente und anderer Modulatoren des Endocannabinoidsystems suchen.

Offener Brief an Sucht- und Drogenbeauftragten Burkhard Blienert

Der Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung
Herrn Burkhard Blienert
im Bundesminister der Gesundheit
11055 Berlin

Berlin, 07.09.2022

Offener Brief: Verbändeübergreifender Appell zum Schutz des Medizinalcannabis

Sehr geehrter Herr Blienert,

wir, acht Verbände aus der Patientenschaft, Ärzteschaft, Apothekerschaft, Wissenschaft und Wirtschaft, befürchten negative Folgen für Patient:innen, sollte parallel zur Legalisierung von Cannabis als Genussmittel die Versorgung der Bevölkerung mit medizinischem Cannabis nicht besonders geschützt und reformiert werden. Die Politik darf die Bedürfnisse der Patient:innen nicht aus den Augen verlieren. Bürger:innen brauchen einen verlässlichen Zugang zu medizinischem Cannabis in pharmazeutischer Qualität und dürfen für die Behandlung medizinischer Symptome nicht in die Eigentherapie mit Produkten des Genussmittelmarktes oder aus eigenem Anbau gedrängt werden. Die aktuellen politischen Bestrebungen müssen vielmehr genutzt werden, die nach wie vor bestehenden Hürden im Bereich Medizinalcannabis abzubauen, sodass fünf Jahre nach Einführung des “Cannabis als Medizin”-Gesetzes die Versorgung von Patient:innen nachhaltig verbessert werden kann.

Gegenwärtig werden immer noch viele Patient:innen in die Illegalität getrieben oder sogar strafrechtlich verfolgt. Infolge der hohen Ablehnungsquote der Kostenübernahmeanträge seitens der Krankenkassen hat sich ein florierender Markt von Privatärzt:innen entwickelt. Für Patient:innen ist dies mit hohen Kosten verbunden, die sich viele nicht leisten können.

Um eine adäquate Beratung und Begleitung von Patient:innen zu gewährleisten, muss der Zugang zur Therapie für Patient:innen vereinfacht und der Medizinalcannabismarkt nachhaltig gesichert werden. Auch bei der Behandlung mit medizinischem Cannabis muss der Grundsatz der ärztlichen Therapiehoheit gelten. Hierfür ist es unbedingt notwendig, die bestehenden Verschreibungshürden abzubauen. Der bestehende Genehmigungsvorbehalt der Krankenkassen verhindert für tausende Patient:innen den Zugang zu dringend benötigten Therapien. Nur durch die Abschaffung des Genehmigungsvorbehaltes kann sichergestellt werden, dass die finanzielle Situation von Patient:innen nicht über die Möglichkeiten einer Therapie bestimmt. Das wäre der wirksame und folgerichtige Schritt zur Versorgungsgerechtigkeit.

Viele Patient:innengruppen sind auf den schnellen Wirkeintritt der inhalativen Einnahme von Cannabisblüten bei u.a. Schmerzspitzen und Spastiken angewiesen. Aus diesen konkreten und greifbaren medizinischen Indikationen müssen daher auch künftig unterschiedliche Anwendungsformen und Zusammensetzungen der cannabisbasierten Therapie erhalten bleiben.

Mit der Etablierung eines Genussmittelmarktes für Cannabis darf die Versorgung von Patient:innen unter keinen Umständen gefährdet werden. Daher muss die Versorgung mit medizinischem Cannabis immer Priorität haben. Nur so ist die ausreichende Versorgung mit qualitätsgesicherten Produkten weiterhin gewährleistet.

Der therapeutische Nutzen cannabisbasierter Arzneimittel ist bei einer Vielzahl unterschiedlicher Indikationen unbestritten. Dennoch bedarf es weiterer Forschung, um das medizinische Potenzial weiter zu untersuchen und besser zu verstehen. Aus diesem Grund muss die klinische Forschung zu Medizinalcannabis stärker gefördert werden.

Die Behandlung mit Medizinalcannabis muss als fester Bestandteil in die medizinische und pharmazeutische Lehre aufgenommen werden, um Ärzt:innen und Apotheker:innen das erforderliche Wissen zu vermitteln und dadurch Patient:innen den Zugang zu medizinischem Cannabis zu ermöglichen.

Patient:innen im Fokus:
Wir setzen uns für die Versorgung mit medizinischem Cannabis ein!

Sehr geehrter Herr Blienert, die acht Verbände haben hierzu ein gemeinsames Positionspapier entwickelt, das Sie im Anhang finden. Wir appellieren an Sie, sich entlang der politischen Forderungen dieses Papiers für die Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung mit Cannabisarzneimitteln einzusetzen. Gerne treten wir gemeinsam mit Ihnen in einen konstruktiven Dialog zu Details der Reform!

Mit freundlichen Grüßen

die Unterzeichnerverbände:

Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V. (ACM)
Ansprechpartner: Dr. med. Franjo Grotenhermen, Prof. Dr. med. Kirsten Müller-Vahl
Telefon: 05233 953 72 46
Webseite: https://www.arbeitsgemeinschaft-cannabis-medizin.de/
E-Mail: info@arbeitsgemeinschaft-cannabis-medizin.de

Bund Deutscher Cannabis-Patienten e.V. (BDCan)
Ansprechpartnerin: Daniela Joachim
Telefon: 0201 6485 08 52
Webseite: https://bdcan.de/
E-Mail: info@bdcan.de

Branchenverband Cannabiswirtschaft e.V. (BvCW)
Ansprechpartner: Jürgen Neumeyer
Telefon: 0163 9860 888
Webseite: https://cannabiswirtschaft.de/
E-Mail: kontakt@cannabiswirtschaft.de

Bundesverband pharmazeutischer Cannabinoidunternehmen e.V. (BPC)
Ansprechpartnerin: Christina Schwarzer
Telefon: 030 235 939 590
Webseite: https://bpc-deutschland.de/
E-Mail: info@bpc-deutschland.de

Deutsche Medizinal-Cannabis Gesellschaft e.V. (DMCG)
Ansprechpartner: Dr. Konrad F. Cimander
Telefon: 0162 2305216
Website: https://medi-can.de
E-Mail: dmcg@medi-can.de

Patientenverband Selbsthilfenetzwerk Cannabis-Medizin (SCM)
Ansprechpartner: Gero Kohlhaas
Telefon: 05233 953 72 46
Website: https://selbsthilfenetzwerk-cannabis-medizin.de/
E-Mail: gero.kohlhaas@selbsthilfenetzwerk-cannabis-medizin.de

Verband der Cannabis versorgenden Apotheken e.V. (VCA)
Ansprechpartnerin: Dr. Christiane Neubaur
Telefon: 0208 9912 99 21
Webseite: https://vca-deutschland.de/
E-Mail: info@vca-deutschland.de

Wissenschaftsnetzwerk Cannabinoide in der Medizin (WCM)
Ansprechpartner: Professor Dr. Sven Gottschling
Telefon: 06841 16 28510
Webseite: https://www.wissenschaft-cannabinoide.de/
E-Mail: zentrum.palliativmedizin@uks.eu

Offener Brief an Karl Lauterbach

Bundesminister für Gesundheit
Herrn Prof. Dr. Karl Lauterbach
Bundesministerium für Gesundheit
11055 Berlin

Berlin, 07.09.2022

Offener Brief: Verbändeübergreifender Appell zum Schutz des Medizinalcannabis

Sehr geehrter Herr Bundesminister,

wir, acht Verbände aus der Patientenschaft, Ärzteschaft, Apothekerschaft, Wissenschaft und Wirtschaft, befürchten negative Folgen für Patient:innen, sollte parallel zur Legalisierung von Cannabis als Genussmittel die Versorgung der Bevölkerung mit medizinischem Cannabis nicht besonders geschützt und reformiert werden. Die Politik darf die Bedürfnisse der Patient:innen nicht aus den Augen verlieren. Bürger:innen brauchen einen verlässlichen Zugang zu medizinischem Cannabis in pharmazeutischer Qualität und dürfen für die Behandlung medizinischer Symptome nicht in die Eigentherapie mit Produkten des Genussmittelmarktes oder aus eigenem Anbau gedrängt werden. Die aktuellen politischen Bestrebungen müssen vielmehr genutzt werden, die nach wie vor bestehenden Hürden im Bereich Medizinalcannabis abzubauen, sodass fünf Jahre nach Einführung des “Cannabis als Medizin”-Gesetzes die Versorgung von Patient:innen nachhaltig verbessert werden kann.

Gegenwärtig werden immer noch viele Patient:innen in die Illegalität getrieben oder sogar strafrechtlich verfolgt. Infolge der hohen Ablehnungsquote der Kostenübernahmeanträge seitens der Krankenkassen hat sich ein florierender Markt von Privatärzt:innen entwickelt. Für Patient:innen ist dies mit hohen Kosten verbunden, die sich viele nicht leisten können.

Um eine adäquate Beratung und Begleitung von Patient:innen zu gewährleisten, muss der Zugang zur Therapie für Patient:innen vereinfacht und der Medizinalcannabismarkt nachhaltig gesichert werden. Auch bei der Behandlung mit medizinischem Cannabis muss der Grundsatz der ärztlichen Therapiehoheit gelten. Hierfür ist es unbedingt notwendig, die bestehenden Verschreibungshürden abzubauen. Der bestehende Genehmigungsvorbehalt der Krankenkassen verhindert für tausende Patient:innen den Zugang zu dringend benötigten Therapien. Nur durch die Abschaffung des Genehmigungsvorbehaltes kann sichergestellt werden, dass die finanzielle Situation von Patient:innen nicht über die Möglichkeiten einer Therapie bestimmt. Das wäre der wirksame und folgerichtige Schritt zur Versorgungsgerechtigkeit.

Viele Patient:innengruppen sind auf den schnellen Wirkeintritt der inhalativen Einnahme von Cannabisblüten bei u.a. Schmerzspitzen und Spastiken angewiesen. Aus diesen konkreten und greifbaren medizinischen Indikationen müssen daher auch künftig unterschiedliche Anwendungsformen und Zusammensetzungen der cannabisbasierten Therapie erhalten bleiben.

Mit der Etablierung eines Genussmittelmarktes für Cannabis darf die Versorgung von Patient:innen unter keinen Umständen gefährdet werden. Daher muss die Versorgung mit medizinischem Cannabis immer Priorität haben. Nur so ist die ausreichende Versorgung mit qualitätsgesicherten Produkten weiterhin gewährleistet.

Der therapeutische Nutzen cannabisbasierter Arzneimittel ist bei einer Vielzahl unterschiedlicher Indikationen unbestritten. Dennoch bedarf es weiterer Forschung, um das medizinische Potenzial weiter zu untersuchen und besser zu verstehen. Aus diesem Grund muss die klinische Forschung zu Medizinalcannabis stärker gefördert werden.

Die Behandlung mit Medizinalcannabis muss als fester Bestandteil in die medizinische und pharmazeutische Lehre aufgenommen werden, um Ärzt:innen und Apotheker:innen das erforderliche Wissen zu vermitteln und dadurch Patient:innen den Zugang zu medizinischem Cannabis zu ermöglichen.

Patient:innen im Fokus:
Wir setzen uns für die Versorgung mit medizinischem Cannabis ein!

Sehr geehrter Herr Bundesminister, die acht Verbände haben hierzu ein gemeinsames Positionspapier entwickelt, das Sie im Anhang finden. Wir appellieren an Sie, sich entlang der politischen Forderungen dieses Papiers für die Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung mit Cannabisarzneimitteln einzusetzen. Gerne treten wir gemeinsam mit Ihnen in einen konstruktiven Dialog zu Details der Reform!

Mit freundlichen Grüßen

die Unterzeichnerverbände:

Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V. (ACM)
Ansprechpartner: Dr. med. Franjo Grotenhermen, Prof. Dr. med. Kirsten Müller-Vahl
Telefon: 05233 953 72 46
Webseite: https://www.arbeitsgemeinschaft-cannabis-medizin.de/
E-Mail: info@arbeitsgemeinschaft-cannabis-medizin.de

Bund Deutscher Cannabis-Patienten e.V. (BDCan)
Ansprechpartnerin: Daniela Joachim
Telefon: 0201 6485 08 52
Webseite: https://bdcan.de/
E-Mail: info@bdcan.de

Branchenverband Cannabiswirtschaft e.V. (BvCW)
Ansprechpartner: Jürgen Neumeyer
Telefon: 0163 9860 888
Webseite: https://cannabiswirtschaft.de/
E-Mail: kontakt@cannabiswirtschaft.de

Bundesverband pharmazeutischer Cannabinoidunternehmen e.V. (BPC)
Ansprechpartnerin: Christina Schwarzer
Telefon: 030 235 939 590
Webseite: https://bpc-deutschland.de/
E-Mail: info@bpc-deutschland.de

Deutsche Medizinal-Cannabis Gesellschaft e.V. (DMCG)
Ansprechpartner: Dr. Konrad F. Cimander
Telefon: 0162 2305216
Website: https://medi-can.de
E-Mail: dmcg@medi-can.de

Patientenverband Selbsthilfenetzwerk Cannabis-Medizin (SCM)
Ansprechpartner: Gero Kohlhaas
Telefon: 05233 953 72 46
Website: https://selbsthilfenetzwerk-cannabis-medizin.de/
E-Mail: gero.kohlhaas@selbsthilfenetzwerk-cannabis-medizin.de

Verband der Cannabis versorgenden Apotheken e.V. (VCA)
Ansprechpartnerin: Dr. Christiane Neubaur
Telefon: 0208 9912 99 21
Webseite: https://vca-deutschland.de/
E-Mail: info@vca-deutschland.de

Wissenschaftsnetzwerk Cannabinoide in der Medizin (WCM)
Ansprechpartner: Professor Dr. Sven Gottschling
Telefon: 06841 16 28510
Webseite: https://www.wissenschaft-cannabinoide.de/
E-Mail: zentrum.palliativmedizin@uks.eu

Verbändepapier

Patient:innen im Fokus:
Schutz der Versorgung mit medizinischem Cannabis
im Licht der geplanten Legalisierung
von Cannabis als Genussmittel

Die kontrollierte Abgabe von Cannabis zu Genusszwecken an Erwachsene soll kommen. So steht es im Koalitionsvertrag der Ampelregierung. Der Startschuss zur Erarbeitung eines entsprechenden Gesetzes von Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Lauterbach fiel Anfang Mai 2022. Im Anschluss leitete der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, Burkhard Blienert, einen umfangreichen Konsultationsprozess mit zahlreichen Expert:innen ein, um auf dieser Basis ein Eckpunktepapier zu erarbeiten. Der Gesetzesentwurf ist für Ende 2022 / Anfang 2023 angekündigt.

Es ist absehbar, dass die generelle Legalisierung Konsequenzen für den Bereich Medizinalcannabis in Deutschland nach sich ziehen wird. Die Politik darf daher die Bedürfnisse der Patient:innen nicht aus den Augen verlieren. Es muss vermieden werden, dass Bürger:innen für die Behandlung medizinischer Symptome aufgrund des einfacheren Zugangs zu Cannabis als Genussmittel dieses als Eigenmedikation anwenden. Stattdessen sollten die aktuellen politischen Bestrebungen genutzt werden, gleichzeitig auch die Hürden im Bereich medizinisches Cannabis zu adressieren, sodass fünf Jahre nach Einführung des “Cannabis als Medizin”-Gesetzes die Versorgung von Patient:innen nachhaltig verbessert werden kann.

Viele Patient:innen, die Cannabis aus medizinischen Gründen benötigen, sind gegenwärtig weiterhin in die Illegalität gedrängt oder werden sogar strafrechtlich verfolgt. Aufgrund der hohen Ablehnungsraten von fast 40 % bei den Kostenübernahmeanträgen durch die Krankenkassen hat sich zudem ein florierender Markt von Privatärzt:innen entwickelt, die in einigen Fällen hohe Behandlungsgebühren verlangen. Viele Patient:innen können sich diese Behandlungskosten und die Medikamente aus der Apotheke aus finanziellen Gründen nicht leisten, sodass eine soziale Schieflage entstanden ist. Die Politik muss einen rechtlichen Rahmen schaffen, um diese soziale Schieflage bei der Versorgung mit cannabisbasierten Arzneimitteln zu überwinden.

Patient:innen, Ärzteschaft, Apothekerschaft und Wirtschaft haben sich zum Schutz der Versorgung mit medizinischem Cannabis im Licht der geplanten Legalisierung von Cannabis als Genussmittel zusammengeschlossen und stellen folgende verbändeübergreifenden Forderungen an die Politik:

1. Zugang von Patient:innen zu medizinischem Cannabis sichern

Neben dem sich neu konstituierenden Markt für eine kontrollierte Abgabe von Cannabis zu Genusszwecken muss auch der Medizinalcannabismarkt nachhaltig gesichert werden, um eine adäquate Beratung und Begleitung von Patient:innen zu gewährleisten. Ärzt:innen müssen nach dem Grundsatz der Therapiehoheit in der Lage sein, Patient:innen mit medizinischem Cannabis zu behandeln.

Darüber hinaus müssen die Hürden für eine Kostenübernahme abgebaut werden. Nur so kann verhindert werden, dass sich Patient:innen mit Produkten des Genussmittelmarktes oder des illegalen Marktes ohne Beratung und Aufklärung selbst therapieren müssen. Durch die Abschaffung des Genehmigungsvorbehalts der Krankenkassen, bei gleichzeitigem Schutz vor einem Regress, kann die Kostenerstattung für Patient:innen gesichert und die Therapiehoheit der Ärzt:innen wiederhergestellt werden. Die bestehenden strafbewehrten Beschränkungen der Verschreibungsmöglichkeit von Betäubungsmitteln nach § 13 Betäubungsmittelgesetz stellen bereits ausreichend sicher, dass die Verschreibung von cannabisbasierten Medikamenten nur dann erfolgen kann, wenn der „beabsichtigte Zweck nicht auf andere Weise erreicht werden kann“. Die zusätzliche Genehmigung der Anträge durch Krankenkassen ist insofern nicht notwendig.

Außerdem müssen Patient:innen auch künftig auf unterschiedliche Anwendungsformen der cannabisbasierten Therapie zugreifen können. Viele Patient:innengruppen sind beispielsweise auf den schnellen Wirkeintritt der inhalativen Einnahme von Cannabisblüten bei u. a. Schmerzspitzen und Spastiken angewiesen. Solange es keine entsprechende Auswahl an parenteralen Cannabisarzneimitteln gibt, die vergleichbar wirken, muss den Patient:innen weiterhin die Möglichkeit der Cannabisblütentherapie als Leistung der gesetzlichen Krankenkassen zur Verfügung stehen. Auch hier würde es sonst dazu kommen, dass sich kranke Menschen im Genussmittelmarkt ohne medizinische oder pharmazeutische Beratung selbst versorgen müssen oder bei fehlenden finanziellen Mitteln zum Eigenanbau gezwungen werden.

Zuletzt wird die zuverlässige Versorgung von Patient:innen durch einen uneinheitlichen Umgang der beteiligten Aufsichtsbehörden der Bundesländer mit medizinischen Cannabisprodukten erschwert, die zu Unsicherheiten bei Ärzt:innen, Apotheker:innen und Industrie führen. An dieser Stelle sind bundesweit einheitliche Rahmenbedingungen notwendig. 

2. Versorgung mit qualitätsgesicherten Produkten gewährleisten

Der Bedarf von Cannabis zu Genusszwecken wird konservativ auf ca. 400 Tonnen pro Jahr geschätzt. Seit Inkrafttreten des “Cannabis-als-Medizin” Gesetzes in 2017 hat sich auch der Marktbedarf an cannabisbasierten Arzneimitteln stetig erhöht. Aufgrund der aktuellen Unterversorgung wird eine weitere Steigerung prognostiziert. Eine Legalisierung von Cannabis für den Freizeitkonsum darf die Sicherstellung der Behandlung von Patient:innen mit medizinischem Cannabis nicht gefährden.

Um die therapeutischen Bedürfnisse von Patient:innen sicherzustellen, sollte der Bedarf an Medizinalcannabis vorrangig gedeckt werden. Die medizinischen Produkte müssen von den Genussmittelprodukten klar getrennt klassifiziert werden, wodurch eine ausreichende Versorgung mit qualitätsgesicherten Produkten im Medizinalcannabismarkt gewährleistet werden kann.

3. Forschung im Bereich Medizinalcannabis fördern

Der therapeutische Nutzen cannabisbasierter Arzneimittel für Patient:innen ist bei einer Vielzahl von Indikationen unbestritten. Dennoch bedarf es weiterer Forschung, um das medizinische Potenzial der Behandlung wissenschaftlich zu untermauern.

Vorhandene Ergebnisse wie z. B. aus der auf Daten von GKV-Versicherten basierenden BfArM-Begleiterhebung sind nicht ausreichend, wie die Verantwortlichen im kürzlich erschienenen Abschlussbericht selbst bestätigen. Stattdessen können vorhandene Ergebnisse sogar in die Irre führen, da sie durch einen erheblichen Selektionsbias und zahlreiche weitere methodische Schwächen verzerren. Zudem werden ganze Patient:innengruppen und Krankheitsbilder ohne Grundlage durch Vermutungen stigmatisiert. Um bestehende Wissenslücken zu schließen, muss die klinische Forschung im Bereich Medizinalcannabis dringend durch bessere Rahmenbedingungen und Forschungsgelder gefördert werden.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Bedeutung des Endocannabinoidsystems für den gesunden Organismus und die Pathogenese und Behandlung von Erkrankungen müssen außerdem als fester Bestandteil in die medizinische und pharmazeutische Lehre aufgenommen werden, um Studierende, Ärzt:innen und Pharmazeut:innen über das therapeutische Potenzial cannabisbasierter Arzneimittel aufzuklären und somit mehr Patient:innen den Zugang zu medizinischem Cannabis zu gewähren.

  • Forderungen an die Politik auf einen Blick
  • Genehmigungsvorbehalt abschaffen und Kostenerstattung für Patient:innen sichern
  • Therapiehoheit für Ärzt:innen wiederherstellen (§ 31 Abs. 6 SGB V)
  • Soziale Schieflage bei der Versorgung mit Medizinalcannabis überwinden
  • Bestehenden Rechtsrahmen für medizinisches Cannabis bundesweit einheitlich umsetzen
  • Qualität und Sicherheit für Medizinalcannabis sicherstellen
  • Versorgung von Patient:innen mit qualitätsgesicherten cannabisbasierten Arzneimitteln vorrangig sichern
  • Klinische Forschung durch bessere Rahmenbedingungen sowie finanzielle Unterstützung fördern
  • Grundlagen des Endocannabinoidsystems und des therapeutischen Potenzials von Cannabinoiden in der medizinischen und pharmazeutischen Lehre verankern
Kontakte

Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V. (ACM)
Ansprechpartner: Dr. med. Franjo Grotenhermen, Prof. Dr. Kirsten Müller-Vahl
Telefon: 05233 953 72 46
Webseite: https://www.arbeitsgemeinschaft-cannabis-medizin.de/
E-Mail: info@arbeitsgemeinschaft-cannabis-medizin.de

Bund Deutscher Cannabis-Patienten e.V. (BDCan)
Ansprechpartnerin: Daniela Joachim
Telefon: 0201 6485 08 52
Webseite: https://bdcan.de/
E-Mail: info@bdcan.de

Branchenverband Cannabiswirtschaft e.V. (BvCW)
Ansprechpartner: Jürgen Neumeyer
Telefon: 0163 9860 888
Webseite: https://cannabiswirtschaft.de/
E-Mail: kontakt@cannabiswirtschaft.de

Bundesverband pharmazeutischer Cannabinoidunternehmen e.V. (BPC)
Ansprechpartnerin: Christina Schwarzer
Telefon: 030 235 939 590
Webseite: https://bpc-deutschland.de/
E-Mail: info@bpc-deutschland.de

Deutsche Medizinal-Cannabis Gesellschaft e.V. (DMCG)
Ansprechpartner: Dr. Konrad F. Cimander
Telefon: 0162 2305216
Website: https://medi-can.de/
E-Mail: dmcg@medi-can.de

Patientenverband Selbsthilfenetzwerk Cannabis-Medizin (SCM)
Ansprechpartner: Gero Kohlhaas
Telefon: 05233 953 72 46
Website: https://selbsthilfenetzwerk-cannabis-medizin.de/
E-Mail: gero.kohlhaas@selbsthilfenetzwerk-cannabis-medizin.de

Verband der Cannabis versorgenden Apotheken e.V. (VCA)
Ansprechpartnerin: Dr. Christiane Neubaur
Telefon: 0208 9912 99 21
Webseite: https://vca-deutschland.de/
E-Mail: info@vca-deutschland.de

Wissenschaftsnetzwerk Cannabinoide in der Medizin (WCM)
Ansprechpartner: Professor Dr. Sven Gottschling
Telefon: 06841 16 28510
Webseite: https://www.wissenschaft-cannabinoide.de/
E-Mail: zentrum.palliativmedizin@uks.eu

5 Jahre Cannabis als Medizin Gesetz: fortschrittlich & reformbedürftig

Gemeinsame Presseerklärung des Branchenverbands Cannabiswirtschaft e.V. (BvCW) und des Verbands der Cannabis versorgenden Apotheken e.V. (VCA)

Berlin, 04.03.2022: Am 10.03.2017 trat das “Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften”, auch bekannt als „Cannabis als Medizin-Gesetz” in Kraft. Vorausgegangen waren ein über 20 jähriger Einsatz vieler ehrenamtlicher Akteure, Fachleuten und insbesondere auch von Patientinnen und Patienten. Erst nachdem schwerkranke Patienten in zahlreichen jahrelangen Gerichtsverfahren Erlaubnisse zum Eigenanbau von medizinischen Cannabis erstritten, wurde der Bundestag aktiv und Beschloss einstimmig das Gesetzeswerk, das weltweit Vorbildcharakter hat.


Nach 5 Jahren Praxiserfahrung besteht nun für den BvCW & den VCA eindeutiger Reformbedarf. Die Hauptpunkte umfassen:

  1. Die Abschaffung des Kriteriums der “Austherapiertheit” [§ 31 Abs. 6 1a) SGB V], der die ärztliche Therapiefreiheit einschränkt
  2. Die Reduzierung der Regressrisiken für Ärztinnen und Ärzte
  3. Maßnahmen zur Reduzierung der hohen Ablehnungsquoten von ca. 40% bei der Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen
  4. Die Ersetzung des obligatorischen Genehmigungsvorbehaltes durch ein freiwilliges Genehmigungsverfahren
  5. Die Schaffung eines sicheren Rechtsrahmen für nicht-berauschende Cannabinoide (vor allem Cannabidiol – CBD) und Definierung von Grenzwerten, ab denen cannabinoidhaltige Produkte als Heil- bzw. Arzneimittel gelten
  6. Vereinheitlichung der Qualitätsanforderungen und deren Auslegung unter den 16 Bundesländern
  7. Entlastung der Apotheken durch Reduzierung des Prüfaufwands
  8. Öffentliche Forschungsförderung zu den medizinischen Einsatzmöglichkeiten von Cannabis als Medizin

Darüber hinaus fordern die Verbände die vollständige Offenlegung der anonymisierten Datensätze nach Abschluss der Begleiterhebung (Stichtag: 31.03.), sodass diese umfassend, unabhängig ausgewertet und analysiert werden kann.

“Das Gesetz war ein großer Schritt nach vorne, doch nun ist es Zeit für Nachbesserungen”, sagt Dr. Armin Prasch, BvCW-Präsidiumsmitglied & Fachbereichskoordinator für Medizinalcannabis beim BvCW. Dr. Christiane Neubaur, Geschäftsführerin des VCA stimmt zu und macht deutlich: “Der Zugang zu dieser Therapieform muss erleichtert werden und die Therapiehoheit der Ärzte muss geachtet werden zum Wohle von schwerkranken Patient*innen”. Beide Verbände sind zur Erreichung der erforderlichen Reformen im Austausch mit den zuständigen Fachleuten im Bundestag.

VisdP: Jürgen Neumeyer
Geschäftsführer
Branchenverband Cannabiswirtschaft e.V.
Marienstr. 30
10117 Berlin
Tel: 0163 986 08 88
presse@cannabiswirtschaft.de
https://start.cannabiswirtschaft.de/

Dr. Christiane Neubaur
Geschäftsführerin
Verband der Cannabis versorgenden Apotheken e.V. (VCA)
Flöz-Herrenbank-Straße 27
46119 Oberhausen
Tel: 0208 9912 9921
neubaur@vca-deutschland.de
https://vca-deutschland.de

Stellungnahme des VCA zu Rabattverträgen für Cannabis-Arzneimittel

Medizinisches Cannabis ist für schwer kranke und austherapierte Patient:innen eine Möglichkeit, ihre Symptome zu lindern sowie Krankheitsverläufe und damit auch ihre Lebensqualität zu verbessern. Medizinal-Cannabis wird häufig in der Schmerztherapie eingesetzt. Chronische Schmerzpatient:innen werden hierfür sorgfältig auf eine individuelle Therapie eingestellt. Wichtig ist hierbei ein gleichbleibender Wirkspiegel.

Eine Substitution der Cannabis-Arzneimittel kann die Therapie gefährden!

Cannabis-Pflanzen enthalten mehr als 400 verschiedene Inhaltsstoffe, wie z. B. Cannabinoide und Terpene. Durch das unterschiedliche Terpenprofil wirken Cannabis-Blütensorten trotz gleichem THC- und CBD-Gehalt sehr unterschiedlich. Wie Studien zeigen, kann das Terpenprofil die Wirkung der Cannabinoide stark beeinflussen (“Entourage-Effekt” – Russo 2011).  Auch der Gehalt an anderen Phytocannabinoiden spielt eine große Rolle bei der Wirkung (Aviram et al. 2021).

Aus diesem Grund erfüllt Medizinal-Cannabis nicht die Definition eines Generikums.

Die Kriterien eines Generikums sind:

  • Gleicher Wirkstoff
  • Identische Wirkstärke
  • Gleiche Packungsgröße
  • Vergleichbare Darreichungsform
  • Übereinstimmendes Anwendungsgebiet

Die Therapieumstellung von Patient:innen auf eine andere Cannabis-Blüte oder einen anderen Cannabis-Extrakt mit dem gleichen THC- und CBD-Gehalt kann aufgrund der unterschiedlichen Zusammensetzung der Phytocannabinoide je nach Kultivar zu unterschiedlichen Wirkungen führen (LaVigne et al. 2021).

Da Cannabis-Pflanzen Naturprodukte sind, unterliegen ihre Inhaltsstoffe natürlichen Schwankungen. Zusätzlich ist bei Extrakten die genaue Zusammensetzung abhängig von den Verarbeitungsprozessen, wie z. B. Zeitpunkt der Ernte, Lagerbedingungen, Extraktionsmittel und -verfahren. Für die Beurteilung einer Wirkstoffgleichheit gibt es nur wenige Parameter. Selbst wenn Extraktionsmittel und Extraktionsverfahren gleich sind, sowie das Droge/Extrakt-Verhältnis identisch ist, gibt es dennoch Unterschiede durch den Einsatz von unterschiedlichen Kultivaren.

Da Cannabis-Blüten und -Extrakte immer unter der Angabe der Sorte auf dem BTM-Rezept verordnet werden, müssen diese von der Apotheke auch so abgegeben werden. Ein Austausch ist nur möglich, wenn ein neues Rezept ausgestellt wird.  

Weiterhin ist durch die Hilfstaxe gewährleistet, dass die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten der Therapie mit Cannabis-Arzneimitteln auf einem marktüblichen Niveau halten können.

Der § 130a SGB V bezieht sich auf patentfreie Arzneimittel, speziell Generika. Durch die Rabattverträge unterliegen diese Arzneimittel einem enormen Wettbewerbs- und Preisdruck. Hierdurch sollen die Ausgaben im Arzneimittelbereich gesenkt werden.

Im Bereich der Rezepturarzneimittel sind Rabattverträge allerdings unüblich.

Durch die Rabattverträge kommt es häufig zu Lieferengpässen, insbesondere wenn Krankenkassen ein Ein-Partner-Modell mit Exklusivverträgen nutzen. Durch die Lieferengpässe besteht die Gefahr, dass Patient:innen nicht das Präparat bekommen, auf welches sie gut eingestellt sind.

Diese Gefahr von Lieferengpässen könnte dann auch für Cannabis-Arzneimittel zutreffen. Dies hätte fatale Folgen für die Patient:innen.

Für eine Therapie- und Versorgungssicherheit der Patient:innen mit Cannabis-Blüten und -Extrakten sollte Medizinal-Cannabis von Rabattvertragsausschreibungen ausgeschlossen und auf die Substitutionsausschlussliste gesetzt werden.

BVVA wird Dachverband für Spezialversorger-Verbände

Mainz, 05.10.2021 – Der Bundesverband der Versorgungsapotheker (BVVA) hat sich für weitere Spezialversorger geöffnet. Am 06.10. war der VCA zusammen mit dem Verband der Hämophilie-Apotheken e.V. (VHA) und der Deutschen Arbeitsgemeinschaft HIV- und Hepatitis-kompetenter Apotheken e.V. (DAHKA) zu der Jahresversammlung des BVVA eingeladen. Hier konnte jeder Verband seine Ziele und Herausforderungen vorstellen, sowie über schon Erreichtes sprechen und seine Beweggründe für diesen Beitritt vorbringen. Die Vereinigung unter dem BVVA-Dach wurde einstimmig beschlossen und auf den Weg gebracht, indem die Mitglieder einer Satzungsänderung zustimmten, die es künftig erlaubt, Verbände als korporative Mitglieder aufzunehmen.

VCA-Geschäftsführerin Christiane Neubaur berichtete über die Herausforderungen der Apotheken, die in der Versorgung mit Medizinal-Cannabis aktiv sind. Probleme gibt es etwa bei den Kostenübernahmen durch die Krankenkassen – hier setzt sich der Verband für eine Abschaffung des Genehmigungsvorbehalts der Versicherer und für eine Stärkung der ärztlichen Therapiehoheit ein.

Zudem fordert der VCA eine klare gesetzliche Regulierung der Rahmenbedingungen zur Abgabe von CBD-Produkten im verschreibungspflichtigen und freikäuflichen Bereich. Ziel des Verbandes ist des Weiteren der Aufbau einer Schulungs- und Vortragsplattform für Ärztinnen und Ärzte, sowie Apothekerinnen und Apotheker. Zudem will man angesichts der immer wieder auftretenden Lieferschwierigkeiten bei Cannabis-Arzneimitteln in Zusammenarbeit mit der Industrie eine Verfügbarkeitsplattform aufbauen. Auf diese sollen neben Apotheken und Arztpraxen auch die Patientinnen und Patienten zugreifen können.

Der Verband der Cannabis versorgenden Apotheken e.V. wurde Anfang 2019 von engagierten Apotheker:innen gegründet. Ziel ist es, alle Beteiligten – die Politik, die Patientenvertretungen, die Ärzt:innen, die Krankenkassen, Anbieter, Wissenschaftler:innen und natürlich die eigenen Berufskolleg:innen – in den gemeinsamen Austausch zu bringen, um Lösungen für eine dauerhaft sichere und wirtschaftliche Versorgung der Patient:innen zu erarbeiten und einen Interessenausgleich herbeizuführen. 

Pressekontakt:

VCA-Geschäftsstelle Oberhausen, Flöz-Herrenbank-Straße 27, 46119 Oberhausen

Telefon: 0208 9912 9921

E-Mail: presse(at)vca-deutschland.de 

Personelle Veränderungen im VCA e.V.

Daniela Joachim

Oberhausen – 16.03.2021 – Mit großem Bedauern müssen wir Ihnen heute mitteilen, dass Markus Fischer mit sofortiger Wirkung als Vorstandsvorsitzender des VCA e.V. zurückgetreten ist:

Dazu Markus Fischer: “Dieser Schritt ist mir alles andere als leichtgefallen. Es war mir eine Herzensangelegenheit, den VCA mitzugründen und voranzutreiben. Doch leider zwingen nun auch mich wirtschaftliche Auswirkungen der Pandemie dazu, im Ehrenamt Konsequenzen zu ziehen. Anders als vielleicht allgemein angenommen, gehören nämlich auch die Apotheken nicht zu den großen Gewinnern der Krise. Im Gegenteil. Ich höre zwar nun als Vorsitzender des VCA e.V. auf, aber bleibe ihm selbstverständlich als Mitglied und beratende Stimme erhalten. Ich bedanke mich herzlich bei den Vorstandskolleg*innen, Mitgliedern und Förderpartner*innen für die stets gute Zusammenarbeit. Es war mir eine Freude. Auf bald!

Bereits im Oktober letzten Jahres ist auch Tobias Loder aus dem Vorstand aus persönlichen und beruflichen Gründen zurückgetreten. Auf ihn folgte, zunächst kommissarisch, Leiter der Neurologie und Abteilung für seltene Erkrankungen der MediosApotheke Berlin, Dennis Stracke, PhD, der noch auf der kommenden Mitgliederversammlung in seinem Amt bestätigt werden soll.

Ich freue mich sehr auf die gemeinsame Arbeit mit den Vorstandskolleg*innen und Mitgliedern des VCA e.V. Wir Cannabis versorgenden Apotheker*innen brauchen ein starkes bundesweites Netzwerk und Interessensvertretung.” so Dennis Stracke.

Bis zu den nächsten Vorstandswahlen wird kommissarisch Astrid Staffeldt, Gründerin des Verbandes, unterstützt durch ihre Stellvertreter Johannes Ertelt und Dennis Stracke, den Vorstandsvorsitz übernehmen.

Dazu Astrid Staffeldt: “Die Rücktritte haben uns nicht nur fachlich, sondern auch persönlich hart getroffen. So starke, engagierte Persönlichkeiten hinterlassen natürlich zunächst eine große Lücke. Doch es wäre auch nicht im Sinne der beiden, wenn wir jetzt als Verband den Kopf in den Sand stecken würden. Wir machen natürlich mit voller Kraft weiter! Seit März haben wir daher auch für die Bereiche PR und politische Kommunikation Sasa Raber, selbst auch Cannabis-Patientin, mit an Bord. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit ihr und unserem neuen Vorstandskollegen Dennis Stracke. Wir bedanken uns recht herzlich bei Markus Fischer und Tobias Loder für ihre Arbeit und ihr Engagement in und für den VCA e.V. Wir leben in besonderen Zeiten, die auch für uns Apotheker*innen nicht selten harte und existenzielle Entscheidungen erfordern. Daher sind wir besonders froh und dankbar, dass die beiden uns auch weiterhin beratend zur Seite stehen und als Mitglieder erhalten bleiben.

Ziel des VCA e.V. ist die effiziente und bezahlbare Versorgung von Patient*innen mit medizinischem Cannabis. Um dies gewährleisten zu können, braucht es einen starken, bundesweit agierenden Verband.

Der VCA setzt daher bei seiner Arbeit besonders auf folgende vier Säulen:

  • Ein starkes Apotheken-Netzwerk ausbauen und den regelmäßigen Austausch fördern;
  • Interessenvertretung und Beratung in und für Politik sein;
  • Schulungen, Vorträge und Weiterbildungen anbieten und
  • Informationsplattform für Apotheken sein.

Sie haben Rückfragen oder wollen uns als (Förder-)Mitglied bei der Arbeit unterstützen? Dann wenden Sie sich gerne an unsere Geschäftsstellenleiterin Daniela Joachim, Tel.: 0208 9912 9921, Mail: joachim@vca-deutschland.de

Pressekontakt: VCA-Geschäftsstelle Oberhausen, 0208 9912 9921, presse@vca-deutschland.de

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