Uncategorized

Offener Brief an Sucht- und Drogenbeauftragten Burkhard Blienert

Der Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung
Herrn Burkhard Blienert
im Bundesminister der Gesundheit
11055 Berlin

Berlin, 07.09.2022

Offener Brief: Verbändeübergreifender Appell zum Schutz des Medizinalcannabis

Sehr geehrter Herr Blienert,

wir, acht Verbände aus der Patientenschaft, Ärzteschaft, Apothekerschaft, Wissenschaft und Wirtschaft, befürchten negative Folgen für Patient:innen, sollte parallel zur Legalisierung von Cannabis als Genussmittel die Versorgung der Bevölkerung mit medizinischem Cannabis nicht besonders geschützt und reformiert werden. Die Politik darf die Bedürfnisse der Patient:innen nicht aus den Augen verlieren. Bürger:innen brauchen einen verlässlichen Zugang zu medizinischem Cannabis in pharmazeutischer Qualität und dürfen für die Behandlung medizinischer Symptome nicht in die Eigentherapie mit Produkten des Genussmittelmarktes oder aus eigenem Anbau gedrängt werden. Die aktuellen politischen Bestrebungen müssen vielmehr genutzt werden, die nach wie vor bestehenden Hürden im Bereich Medizinalcannabis abzubauen, sodass fünf Jahre nach Einführung des “Cannabis als Medizin”-Gesetzes die Versorgung von Patient:innen nachhaltig verbessert werden kann.

Gegenwärtig werden immer noch viele Patient:innen in die Illegalität getrieben oder sogar strafrechtlich verfolgt. Infolge der hohen Ablehnungsquote der Kostenübernahmeanträge seitens der Krankenkassen hat sich ein florierender Markt von Privatärzt:innen entwickelt. Für Patient:innen ist dies mit hohen Kosten verbunden, die sich viele nicht leisten können.

Um eine adäquate Beratung und Begleitung von Patient:innen zu gewährleisten, muss der Zugang zur Therapie für Patient:innen vereinfacht und der Medizinalcannabismarkt nachhaltig gesichert werden. Auch bei der Behandlung mit medizinischem Cannabis muss der Grundsatz der ärztlichen Therapiehoheit gelten. Hierfür ist es unbedingt notwendig, die bestehenden Verschreibungshürden abzubauen. Der bestehende Genehmigungsvorbehalt der Krankenkassen verhindert für tausende Patient:innen den Zugang zu dringend benötigten Therapien. Nur durch die Abschaffung des Genehmigungsvorbehaltes kann sichergestellt werden, dass die finanzielle Situation von Patient:innen nicht über die Möglichkeiten einer Therapie bestimmt. Das wäre der wirksame und folgerichtige Schritt zur Versorgungsgerechtigkeit.

Viele Patient:innengruppen sind auf den schnellen Wirkeintritt der inhalativen Einnahme von Cannabisblüten bei u.a. Schmerzspitzen und Spastiken angewiesen. Aus diesen konkreten und greifbaren medizinischen Indikationen müssen daher auch künftig unterschiedliche Anwendungsformen und Zusammensetzungen der cannabisbasierten Therapie erhalten bleiben.

Mit der Etablierung eines Genussmittelmarktes für Cannabis darf die Versorgung von Patient:innen unter keinen Umständen gefährdet werden. Daher muss die Versorgung mit medizinischem Cannabis immer Priorität haben. Nur so ist die ausreichende Versorgung mit qualitätsgesicherten Produkten weiterhin gewährleistet.

Der therapeutische Nutzen cannabisbasierter Arzneimittel ist bei einer Vielzahl unterschiedlicher Indikationen unbestritten. Dennoch bedarf es weiterer Forschung, um das medizinische Potenzial weiter zu untersuchen und besser zu verstehen. Aus diesem Grund muss die klinische Forschung zu Medizinalcannabis stärker gefördert werden.

Die Behandlung mit Medizinalcannabis muss als fester Bestandteil in die medizinische und pharmazeutische Lehre aufgenommen werden, um Ärzt:innen und Apotheker:innen das erforderliche Wissen zu vermitteln und dadurch Patient:innen den Zugang zu medizinischem Cannabis zu ermöglichen.

Patient:innen im Fokus:
Wir setzen uns für die Versorgung mit medizinischem Cannabis ein!

Sehr geehrter Herr Blienert, die acht Verbände haben hierzu ein gemeinsames Positionspapier entwickelt, das Sie im Anhang finden. Wir appellieren an Sie, sich entlang der politischen Forderungen dieses Papiers für die Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung mit Cannabisarzneimitteln einzusetzen. Gerne treten wir gemeinsam mit Ihnen in einen konstruktiven Dialog zu Details der Reform!

Mit freundlichen Grüßen

die Unterzeichnerverbände:

Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V. (ACM)
Ansprechpartner: Dr. med. Franjo Grotenhermen, Prof. Dr. med. Kirsten Müller-Vahl
Telefon: 05233 953 72 46
Webseite: https://www.arbeitsgemeinschaft-cannabis-medizin.de/
E-Mail: info@arbeitsgemeinschaft-cannabis-medizin.de

Bund Deutscher Cannabis-Patienten e.V. (BDCan)
Ansprechpartnerin: Daniela Joachim
Telefon: 0201 6485 08 52
Webseite: https://bdcan.de/
E-Mail: info@bdcan.de

Branchenverband Cannabiswirtschaft e.V. (BvCW)
Ansprechpartner: Jürgen Neumeyer
Telefon: 0163 9860 888
Webseite: https://cannabiswirtschaft.de/
E-Mail: kontakt@cannabiswirtschaft.de

Bundesverband pharmazeutischer Cannabinoidunternehmen e.V. (BPC)
Ansprechpartnerin: Christina Schwarzer
Telefon: 030 235 939 590
Webseite: https://bpc-deutschland.de/
E-Mail: info@bpc-deutschland.de

Deutsche Medizinal-Cannabis Gesellschaft e.V. (DMCG)
Ansprechpartner: Dr. Konrad F. Cimander
Telefon: 0162 2305216
Website: https://medi-can.de
E-Mail: dmcg@medi-can.de

Patientenverband Selbsthilfenetzwerk Cannabis-Medizin (SCM)
Ansprechpartner: Gero Kohlhaas
Telefon: 05233 953 72 46
Website: https://selbsthilfenetzwerk-cannabis-medizin.de/
E-Mail: gero.kohlhaas@selbsthilfenetzwerk-cannabis-medizin.de

Verband der Cannabis versorgenden Apotheken e.V. (VCA)
Ansprechpartnerin: Dr. Christiane Neubaur
Telefon: 0208 9912 99 21
Webseite: https://vca-deutschland.de/
E-Mail: info@vca-deutschland.de

Wissenschaftsnetzwerk Cannabinoide in der Medizin (WCM)
Ansprechpartner: Professor Dr. Sven Gottschling
Telefon: 06841 16 28510
Webseite: https://www.wissenschaft-cannabinoide.de/
E-Mail: zentrum.palliativmedizin@uks.eu

Offener Brief an Karl Lauterbach

Bundesminister für Gesundheit
Herrn Prof. Dr. Karl Lauterbach
Bundesministerium für Gesundheit
11055 Berlin

Berlin, 07.09.2022

Offener Brief: Verbändeübergreifender Appell zum Schutz des Medizinalcannabis

Sehr geehrter Herr Bundesminister,

wir, acht Verbände aus der Patientenschaft, Ärzteschaft, Apothekerschaft, Wissenschaft und Wirtschaft, befürchten negative Folgen für Patient:innen, sollte parallel zur Legalisierung von Cannabis als Genussmittel die Versorgung der Bevölkerung mit medizinischem Cannabis nicht besonders geschützt und reformiert werden. Die Politik darf die Bedürfnisse der Patient:innen nicht aus den Augen verlieren. Bürger:innen brauchen einen verlässlichen Zugang zu medizinischem Cannabis in pharmazeutischer Qualität und dürfen für die Behandlung medizinischer Symptome nicht in die Eigentherapie mit Produkten des Genussmittelmarktes oder aus eigenem Anbau gedrängt werden. Die aktuellen politischen Bestrebungen müssen vielmehr genutzt werden, die nach wie vor bestehenden Hürden im Bereich Medizinalcannabis abzubauen, sodass fünf Jahre nach Einführung des “Cannabis als Medizin”-Gesetzes die Versorgung von Patient:innen nachhaltig verbessert werden kann.

Gegenwärtig werden immer noch viele Patient:innen in die Illegalität getrieben oder sogar strafrechtlich verfolgt. Infolge der hohen Ablehnungsquote der Kostenübernahmeanträge seitens der Krankenkassen hat sich ein florierender Markt von Privatärzt:innen entwickelt. Für Patient:innen ist dies mit hohen Kosten verbunden, die sich viele nicht leisten können.

Um eine adäquate Beratung und Begleitung von Patient:innen zu gewährleisten, muss der Zugang zur Therapie für Patient:innen vereinfacht und der Medizinalcannabismarkt nachhaltig gesichert werden. Auch bei der Behandlung mit medizinischem Cannabis muss der Grundsatz der ärztlichen Therapiehoheit gelten. Hierfür ist es unbedingt notwendig, die bestehenden Verschreibungshürden abzubauen. Der bestehende Genehmigungsvorbehalt der Krankenkassen verhindert für tausende Patient:innen den Zugang zu dringend benötigten Therapien. Nur durch die Abschaffung des Genehmigungsvorbehaltes kann sichergestellt werden, dass die finanzielle Situation von Patient:innen nicht über die Möglichkeiten einer Therapie bestimmt. Das wäre der wirksame und folgerichtige Schritt zur Versorgungsgerechtigkeit.

Viele Patient:innengruppen sind auf den schnellen Wirkeintritt der inhalativen Einnahme von Cannabisblüten bei u.a. Schmerzspitzen und Spastiken angewiesen. Aus diesen konkreten und greifbaren medizinischen Indikationen müssen daher auch künftig unterschiedliche Anwendungsformen und Zusammensetzungen der cannabisbasierten Therapie erhalten bleiben.

Mit der Etablierung eines Genussmittelmarktes für Cannabis darf die Versorgung von Patient:innen unter keinen Umständen gefährdet werden. Daher muss die Versorgung mit medizinischem Cannabis immer Priorität haben. Nur so ist die ausreichende Versorgung mit qualitätsgesicherten Produkten weiterhin gewährleistet.

Der therapeutische Nutzen cannabisbasierter Arzneimittel ist bei einer Vielzahl unterschiedlicher Indikationen unbestritten. Dennoch bedarf es weiterer Forschung, um das medizinische Potenzial weiter zu untersuchen und besser zu verstehen. Aus diesem Grund muss die klinische Forschung zu Medizinalcannabis stärker gefördert werden.

Die Behandlung mit Medizinalcannabis muss als fester Bestandteil in die medizinische und pharmazeutische Lehre aufgenommen werden, um Ärzt:innen und Apotheker:innen das erforderliche Wissen zu vermitteln und dadurch Patient:innen den Zugang zu medizinischem Cannabis zu ermöglichen.

Patient:innen im Fokus:
Wir setzen uns für die Versorgung mit medizinischem Cannabis ein!

Sehr geehrter Herr Bundesminister, die acht Verbände haben hierzu ein gemeinsames Positionspapier entwickelt, das Sie im Anhang finden. Wir appellieren an Sie, sich entlang der politischen Forderungen dieses Papiers für die Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung mit Cannabisarzneimitteln einzusetzen. Gerne treten wir gemeinsam mit Ihnen in einen konstruktiven Dialog zu Details der Reform!

Mit freundlichen Grüßen

die Unterzeichnerverbände:

Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V. (ACM)
Ansprechpartner: Dr. med. Franjo Grotenhermen, Prof. Dr. med. Kirsten Müller-Vahl
Telefon: 05233 953 72 46
Webseite: https://www.arbeitsgemeinschaft-cannabis-medizin.de/
E-Mail: info@arbeitsgemeinschaft-cannabis-medizin.de

Bund Deutscher Cannabis-Patienten e.V. (BDCan)
Ansprechpartnerin: Daniela Joachim
Telefon: 0201 6485 08 52
Webseite: https://bdcan.de/
E-Mail: info@bdcan.de

Branchenverband Cannabiswirtschaft e.V. (BvCW)
Ansprechpartner: Jürgen Neumeyer
Telefon: 0163 9860 888
Webseite: https://cannabiswirtschaft.de/
E-Mail: kontakt@cannabiswirtschaft.de

Bundesverband pharmazeutischer Cannabinoidunternehmen e.V. (BPC)
Ansprechpartnerin: Christina Schwarzer
Telefon: 030 235 939 590
Webseite: https://bpc-deutschland.de/
E-Mail: info@bpc-deutschland.de

Deutsche Medizinal-Cannabis Gesellschaft e.V. (DMCG)
Ansprechpartner: Dr. Konrad F. Cimander
Telefon: 0162 2305216
Website: https://medi-can.de
E-Mail: dmcg@medi-can.de

Patientenverband Selbsthilfenetzwerk Cannabis-Medizin (SCM)
Ansprechpartner: Gero Kohlhaas
Telefon: 05233 953 72 46
Website: https://selbsthilfenetzwerk-cannabis-medizin.de/
E-Mail: gero.kohlhaas@selbsthilfenetzwerk-cannabis-medizin.de

Verband der Cannabis versorgenden Apotheken e.V. (VCA)
Ansprechpartnerin: Dr. Christiane Neubaur
Telefon: 0208 9912 99 21
Webseite: https://vca-deutschland.de/
E-Mail: info@vca-deutschland.de

Wissenschaftsnetzwerk Cannabinoide in der Medizin (WCM)
Ansprechpartner: Professor Dr. Sven Gottschling
Telefon: 06841 16 28510
Webseite: https://www.wissenschaft-cannabinoide.de/
E-Mail: zentrum.palliativmedizin@uks.eu

Verbändepapier

Patient:innen im Fokus:
Schutz der Versorgung mit medizinischem Cannabis
im Licht der geplanten Legalisierung
von Cannabis als Genussmittel

Die kontrollierte Abgabe von Cannabis zu Genusszwecken an Erwachsene soll kommen. So steht es im Koalitionsvertrag der Ampelregierung. Der Startschuss zur Erarbeitung eines entsprechenden Gesetzes von Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Lauterbach fiel Anfang Mai 2022. Im Anschluss leitete der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, Burkhard Blienert, einen umfangreichen Konsultationsprozess mit zahlreichen Expert:innen ein, um auf dieser Basis ein Eckpunktepapier zu erarbeiten. Der Gesetzesentwurf ist für Ende 2022 / Anfang 2023 angekündigt.

Es ist absehbar, dass die generelle Legalisierung Konsequenzen für den Bereich Medizinalcannabis in Deutschland nach sich ziehen wird. Die Politik darf daher die Bedürfnisse der Patient:innen nicht aus den Augen verlieren. Es muss vermieden werden, dass Bürger:innen für die Behandlung medizinischer Symptome aufgrund des einfacheren Zugangs zu Cannabis als Genussmittel dieses als Eigenmedikation anwenden. Stattdessen sollten die aktuellen politischen Bestrebungen genutzt werden, gleichzeitig auch die Hürden im Bereich medizinisches Cannabis zu adressieren, sodass fünf Jahre nach Einführung des “Cannabis als Medizin”-Gesetzes die Versorgung von Patient:innen nachhaltig verbessert werden kann.

Viele Patient:innen, die Cannabis aus medizinischen Gründen benötigen, sind gegenwärtig weiterhin in die Illegalität gedrängt oder werden sogar strafrechtlich verfolgt. Aufgrund der hohen Ablehnungsraten von fast 40 % bei den Kostenübernahmeanträgen durch die Krankenkassen hat sich zudem ein florierender Markt von Privatärzt:innen entwickelt, die in einigen Fällen hohe Behandlungsgebühren verlangen. Viele Patient:innen können sich diese Behandlungskosten und die Medikamente aus der Apotheke aus finanziellen Gründen nicht leisten, sodass eine soziale Schieflage entstanden ist. Die Politik muss einen rechtlichen Rahmen schaffen, um diese soziale Schieflage bei der Versorgung mit cannabisbasierten Arzneimitteln zu überwinden.

Patient:innen, Ärzteschaft, Apothekerschaft und Wirtschaft haben sich zum Schutz der Versorgung mit medizinischem Cannabis im Licht der geplanten Legalisierung von Cannabis als Genussmittel zusammengeschlossen und stellen folgende verbändeübergreifenden Forderungen an die Politik:

1. Zugang von Patient:innen zu medizinischem Cannabis sichern

Neben dem sich neu konstituierenden Markt für eine kontrollierte Abgabe von Cannabis zu Genusszwecken muss auch der Medizinalcannabismarkt nachhaltig gesichert werden, um eine adäquate Beratung und Begleitung von Patient:innen zu gewährleisten. Ärzt:innen müssen nach dem Grundsatz der Therapiehoheit in der Lage sein, Patient:innen mit medizinischem Cannabis zu behandeln.

Darüber hinaus müssen die Hürden für eine Kostenübernahme abgebaut werden. Nur so kann verhindert werden, dass sich Patient:innen mit Produkten des Genussmittelmarktes oder des illegalen Marktes ohne Beratung und Aufklärung selbst therapieren müssen. Durch die Abschaffung des Genehmigungsvorbehalts der Krankenkassen, bei gleichzeitigem Schutz vor einem Regress, kann die Kostenerstattung für Patient:innen gesichert und die Therapiehoheit der Ärzt:innen wiederhergestellt werden. Die bestehenden strafbewehrten Beschränkungen der Verschreibungsmöglichkeit von Betäubungsmitteln nach § 13 Betäubungsmittelgesetz stellen bereits ausreichend sicher, dass die Verschreibung von cannabisbasierten Medikamenten nur dann erfolgen kann, wenn der „beabsichtigte Zweck nicht auf andere Weise erreicht werden kann“. Die zusätzliche Genehmigung der Anträge durch Krankenkassen ist insofern nicht notwendig.

Außerdem müssen Patient:innen auch künftig auf unterschiedliche Anwendungsformen der cannabisbasierten Therapie zugreifen können. Viele Patient:innengruppen sind beispielsweise auf den schnellen Wirkeintritt der inhalativen Einnahme von Cannabisblüten bei u. a. Schmerzspitzen und Spastiken angewiesen. Solange es keine entsprechende Auswahl an parenteralen Cannabisarzneimitteln gibt, die vergleichbar wirken, muss den Patient:innen weiterhin die Möglichkeit der Cannabisblütentherapie als Leistung der gesetzlichen Krankenkassen zur Verfügung stehen. Auch hier würde es sonst dazu kommen, dass sich kranke Menschen im Genussmittelmarkt ohne medizinische oder pharmazeutische Beratung selbst versorgen müssen oder bei fehlenden finanziellen Mitteln zum Eigenanbau gezwungen werden.

Zuletzt wird die zuverlässige Versorgung von Patient:innen durch einen uneinheitlichen Umgang der beteiligten Aufsichtsbehörden der Bundesländer mit medizinischen Cannabisprodukten erschwert, die zu Unsicherheiten bei Ärzt:innen, Apotheker:innen und Industrie führen. An dieser Stelle sind bundesweit einheitliche Rahmenbedingungen notwendig. 

2. Versorgung mit qualitätsgesicherten Produkten gewährleisten

Der Bedarf von Cannabis zu Genusszwecken wird konservativ auf ca. 400 Tonnen pro Jahr geschätzt. Seit Inkrafttreten des “Cannabis-als-Medizin” Gesetzes in 2017 hat sich auch der Marktbedarf an cannabisbasierten Arzneimitteln stetig erhöht. Aufgrund der aktuellen Unterversorgung wird eine weitere Steigerung prognostiziert. Eine Legalisierung von Cannabis für den Freizeitkonsum darf die Sicherstellung der Behandlung von Patient:innen mit medizinischem Cannabis nicht gefährden.

Um die therapeutischen Bedürfnisse von Patient:innen sicherzustellen, sollte der Bedarf an Medizinalcannabis vorrangig gedeckt werden. Die medizinischen Produkte müssen von den Genussmittelprodukten klar getrennt klassifiziert werden, wodurch eine ausreichende Versorgung mit qualitätsgesicherten Produkten im Medizinalcannabismarkt gewährleistet werden kann.

3. Forschung im Bereich Medizinalcannabis fördern

Der therapeutische Nutzen cannabisbasierter Arzneimittel für Patient:innen ist bei einer Vielzahl von Indikationen unbestritten. Dennoch bedarf es weiterer Forschung, um das medizinische Potenzial der Behandlung wissenschaftlich zu untermauern.

Vorhandene Ergebnisse wie z. B. aus der auf Daten von GKV-Versicherten basierenden BfArM-Begleiterhebung sind nicht ausreichend, wie die Verantwortlichen im kürzlich erschienenen Abschlussbericht selbst bestätigen. Stattdessen können vorhandene Ergebnisse sogar in die Irre führen, da sie durch einen erheblichen Selektionsbias und zahlreiche weitere methodische Schwächen verzerren. Zudem werden ganze Patient:innengruppen und Krankheitsbilder ohne Grundlage durch Vermutungen stigmatisiert. Um bestehende Wissenslücken zu schließen, muss die klinische Forschung im Bereich Medizinalcannabis dringend durch bessere Rahmenbedingungen und Forschungsgelder gefördert werden.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Bedeutung des Endocannabinoidsystems für den gesunden Organismus und die Pathogenese und Behandlung von Erkrankungen müssen außerdem als fester Bestandteil in die medizinische und pharmazeutische Lehre aufgenommen werden, um Studierende, Ärzt:innen und Pharmazeut:innen über das therapeutische Potenzial cannabisbasierter Arzneimittel aufzuklären und somit mehr Patient:innen den Zugang zu medizinischem Cannabis zu gewähren.

  • Forderungen an die Politik auf einen Blick
  • Genehmigungsvorbehalt abschaffen und Kostenerstattung für Patient:innen sichern
  • Therapiehoheit für Ärzt:innen wiederherstellen (§ 31 Abs. 6 SGB V)
  • Soziale Schieflage bei der Versorgung mit Medizinalcannabis überwinden
  • Bestehenden Rechtsrahmen für medizinisches Cannabis bundesweit einheitlich umsetzen
  • Qualität und Sicherheit für Medizinalcannabis sicherstellen
  • Versorgung von Patient:innen mit qualitätsgesicherten cannabisbasierten Arzneimitteln vorrangig sichern
  • Klinische Forschung durch bessere Rahmenbedingungen sowie finanzielle Unterstützung fördern
  • Grundlagen des Endocannabinoidsystems und des therapeutischen Potenzials von Cannabinoiden in der medizinischen und pharmazeutischen Lehre verankern
Kontakte

Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V. (ACM)
Ansprechpartner: Dr. med. Franjo Grotenhermen, Prof. Dr. Kirsten Müller-Vahl
Telefon: 05233 953 72 46
Webseite: https://www.arbeitsgemeinschaft-cannabis-medizin.de/
E-Mail: info@arbeitsgemeinschaft-cannabis-medizin.de

Bund Deutscher Cannabis-Patienten e.V. (BDCan)
Ansprechpartnerin: Daniela Joachim
Telefon: 0201 6485 08 52
Webseite: https://bdcan.de/
E-Mail: info@bdcan.de

Branchenverband Cannabiswirtschaft e.V. (BvCW)
Ansprechpartner: Jürgen Neumeyer
Telefon: 0163 9860 888
Webseite: https://cannabiswirtschaft.de/
E-Mail: kontakt@cannabiswirtschaft.de

Bundesverband pharmazeutischer Cannabinoidunternehmen e.V. (BPC)
Ansprechpartnerin: Christina Schwarzer
Telefon: 030 235 939 590
Webseite: https://bpc-deutschland.de/
E-Mail: info@bpc-deutschland.de

Deutsche Medizinal-Cannabis Gesellschaft e.V. (DMCG)
Ansprechpartner: Dr. Konrad F. Cimander
Telefon: 0162 2305216
Website: https://medi-can.de/
E-Mail: dmcg@medi-can.de

Patientenverband Selbsthilfenetzwerk Cannabis-Medizin (SCM)
Ansprechpartner: Gero Kohlhaas
Telefon: 05233 953 72 46
Website: https://selbsthilfenetzwerk-cannabis-medizin.de/
E-Mail: gero.kohlhaas@selbsthilfenetzwerk-cannabis-medizin.de

Verband der Cannabis versorgenden Apotheken e.V. (VCA)
Ansprechpartnerin: Dr. Christiane Neubaur
Telefon: 0208 9912 99 21
Webseite: https://vca-deutschland.de/
E-Mail: info@vca-deutschland.de

Wissenschaftsnetzwerk Cannabinoide in der Medizin (WCM)
Ansprechpartner: Professor Dr. Sven Gottschling
Telefon: 06841 16 28510
Webseite: https://www.wissenschaft-cannabinoide.de/
E-Mail: zentrum.palliativmedizin@uks.eu

Stellungnahme des VCA zu Rabattverträgen für Cannabis-Arzneimittel

Medizinisches Cannabis ist für schwer kranke und austherapierte Patient:innen eine Möglichkeit, ihre Symptome zu lindern sowie Krankheitsverläufe und damit auch ihre Lebensqualität zu verbessern. Medizinal-Cannabis wird häufig in der Schmerztherapie eingesetzt. Chronische Schmerzpatient:innen werden hierfür sorgfältig auf eine individuelle Therapie eingestellt. Wichtig ist hierbei ein gleichbleibender Wirkspiegel.

Eine Substitution der Cannabis-Arzneimittel kann die Therapie gefährden!

Cannabis-Pflanzen enthalten mehr als 400 verschiedene Inhaltsstoffe, wie z. B. Cannabinoide und Terpene. Durch das unterschiedliche Terpenprofil wirken Cannabis-Blütensorten trotz gleichem THC- und CBD-Gehalt sehr unterschiedlich. Wie Studien zeigen, kann das Terpenprofil die Wirkung der Cannabinoide stark beeinflussen (“Entourage-Effekt” – Russo 2011).  Auch der Gehalt an anderen Phytocannabinoiden spielt eine große Rolle bei der Wirkung (Aviram et al. 2021).

Aus diesem Grund erfüllt Medizinal-Cannabis nicht die Definition eines Generikums.

Die Kriterien eines Generikums sind:

  • Gleicher Wirkstoff
  • Identische Wirkstärke
  • Gleiche Packungsgröße
  • Vergleichbare Darreichungsform
  • Übereinstimmendes Anwendungsgebiet

Die Therapieumstellung von Patient:innen auf eine andere Cannabis-Blüte oder einen anderen Cannabis-Extrakt mit dem gleichen THC- und CBD-Gehalt kann aufgrund der unterschiedlichen Zusammensetzung der Phytocannabinoide je nach Kultivar zu unterschiedlichen Wirkungen führen (LaVigne et al. 2021).

Da Cannabis-Pflanzen Naturprodukte sind, unterliegen ihre Inhaltsstoffe natürlichen Schwankungen. Zusätzlich ist bei Extrakten die genaue Zusammensetzung abhängig von den Verarbeitungsprozessen, wie z. B. Zeitpunkt der Ernte, Lagerbedingungen, Extraktionsmittel und -verfahren. Für die Beurteilung einer Wirkstoffgleichheit gibt es nur wenige Parameter. Selbst wenn Extraktionsmittel und Extraktionsverfahren gleich sind, sowie das Droge/Extrakt-Verhältnis identisch ist, gibt es dennoch Unterschiede durch den Einsatz von unterschiedlichen Kultivaren.

Da Cannabis-Blüten und -Extrakte immer unter der Angabe der Sorte auf dem BTM-Rezept verordnet werden, müssen diese von der Apotheke auch so abgegeben werden. Ein Austausch ist nur möglich, wenn ein neues Rezept ausgestellt wird.  

Weiterhin ist durch die Hilfstaxe gewährleistet, dass die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten der Therapie mit Cannabis-Arzneimitteln auf einem marktüblichen Niveau halten können.

Der § 130a SGB V bezieht sich auf patentfreie Arzneimittel, speziell Generika. Durch die Rabattverträge unterliegen diese Arzneimittel einem enormen Wettbewerbs- und Preisdruck. Hierdurch sollen die Ausgaben im Arzneimittelbereich gesenkt werden.

Im Bereich der Rezepturarzneimittel sind Rabattverträge allerdings unüblich.

Durch die Rabattverträge kommt es häufig zu Lieferengpässen, insbesondere wenn Krankenkassen ein Ein-Partner-Modell mit Exklusivverträgen nutzen. Durch die Lieferengpässe besteht die Gefahr, dass Patient:innen nicht das Präparat bekommen, auf welches sie gut eingestellt sind.

Diese Gefahr von Lieferengpässen könnte dann auch für Cannabis-Arzneimittel zutreffen. Dies hätte fatale Folgen für die Patient:innen.

Für eine Therapie- und Versorgungssicherheit der Patient:innen mit Cannabis-Blüten und -Extrakten sollte Medizinal-Cannabis von Rabattvertragsausschreibungen ausgeschlossen und auf die Substitutionsausschlussliste gesetzt werden.

BVVA wird Dachverband für Spezialversorger-Verbände

Mainz, 05.10.2021 – Der Bundesverband der Versorgungsapotheker (BVVA) hat sich für weitere Spezialversorger geöffnet. Am 06.10. war der VCA zusammen mit dem Verband der Hämophilie-Apotheken e.V. (VHA) und der Deutschen Arbeitsgemeinschaft HIV- und Hepatitis-kompetenter Apotheken e.V. (DAHKA) zu der Jahresversammlung des BVVA eingeladen. Hier konnte jeder Verband seine Ziele und Herausforderungen vorstellen, sowie über schon Erreichtes sprechen und seine Beweggründe für diesen Beitritt vorbringen. Die Vereinigung unter dem BVVA-Dach wurde einstimmig beschlossen und auf den Weg gebracht, indem die Mitglieder einer Satzungsänderung zustimmten, die es künftig erlaubt, Verbände als korporative Mitglieder aufzunehmen.

VCA-Geschäftsführerin Christiane Neubaur berichtete über die Herausforderungen der Apotheken, die in der Versorgung mit Medizinal-Cannabis aktiv sind. Probleme gibt es etwa bei den Kostenübernahmen durch die Krankenkassen – hier setzt sich der Verband für eine Abschaffung des Genehmigungsvorbehalts der Versicherer und für eine Stärkung der ärztlichen Therapiehoheit ein.

Zudem fordert der VCA eine klare gesetzliche Regulierung der Rahmenbedingungen zur Abgabe von CBD-Produkten im verschreibungspflichtigen und freikäuflichen Bereich. Ziel des Verbandes ist des Weiteren der Aufbau einer Schulungs- und Vortragsplattform für Ärztinnen und Ärzte, sowie Apothekerinnen und Apotheker. Zudem will man angesichts der immer wieder auftretenden Lieferschwierigkeiten bei Cannabis-Arzneimitteln in Zusammenarbeit mit der Industrie eine Verfügbarkeitsplattform aufbauen. Auf diese sollen neben Apotheken und Arztpraxen auch die Patientinnen und Patienten zugreifen können.

Der Verband der Cannabis versorgenden Apotheken e.V. wurde Anfang 2019 von engagierten Apotheker:innen gegründet. Ziel ist es, alle Beteiligten – die Politik, die Patientenvertretungen, die Ärzt:innen, die Krankenkassen, Anbieter, Wissenschaftler:innen und natürlich die eigenen Berufskolleg:innen – in den gemeinsamen Austausch zu bringen, um Lösungen für eine dauerhaft sichere und wirtschaftliche Versorgung der Patient:innen zu erarbeiten und einen Interessenausgleich herbeizuführen. 

Pressekontakt:

VCA-Geschäftsstelle Oberhausen, Flöz-Herrenbank-Straße 27, 46119 Oberhausen

Telefon: 0208 9912 9921

E-Mail: presse(at)vca-deutschland.de 

Scroll to Top