2. April 2026

EKOCAN-Zwischenbericht 2026: Medizinalcannabis und neue Fragen für die Versorgung

Mit dem zweiten Zwischenbericht der EKOCAN-Evaluation liegt seit dem 1. April 2026 eine neue wissenschaftliche Bestandsaufnahme zu den Folgen der Cannabis-Teillegalisierung vor. Der Bericht befasst sich unter anderem mit dem Cannabismarkt, dem Kinder- und Jugendschutz, dem Gesundheitsschutz, der Kriminalität und dem Bereich Medizinalcannabis. Das Bundesgesundheitsministerium hat die Veröffentlichung am selben Tag in einer Pressemitteilung aufgegriffen und die Ergebnisse politisch eingeordnet. Die Autor:innen des Berichts betonen zugleich, dass es sich weiterhin um vorläufige Ergebnisse handelt, da die Gesamtevaluation noch bis April 2028 läuft.

Medizinalcannabis hat deutlich an Marktbedeutung gewonnen

Der Bericht macht deutlich, dass Medizinalcannabis seit der gesetzlichen Neuregelung stark an Bedeutung gewonnen hat. Für das Jahr 2025 ist zusammen mit der inländischen Produktionskapazität von einer Verfügbarkeit von bis zu 200 Tonnen Medizinalcannabis die Rede. Damit ist dieser Bereich längst kein Randthema mehr, sondern ein wachsender Teil des deutschen Cannabismarktes. Zugleich beschreibt der Bericht, dass insbesondere die erleichterte Verschreibung auf Privatrezept und der Bezug über Apotheken diese Entwicklung begünstigt haben.

Im Fokus steht nicht nur die Versorgung, sondern auch die Marktstruktur

Auffällig ist, dass der Bericht Medizinalcannabis nicht allein als medizinisches Versorgungsthema betrachtet. Er schaut auch auf die Strukturen, über die Verschreibung, Vermittlung und Abgabe heute organisiert werden. Dabei geht es insbesondere um die Frage, wie sich der Markt seit der Reform verändert hat und welche Rolle neue digitale Angebote dabei spielen.

Plattformen spielen in der Entwicklung eine zentrale Rolle

Ein Schwerpunkt des Berichts liegt auf Onlineplattformen, die Patient:innen, verschreibende Ärzt:innen und Apotheken zusammenbringen. EKOCAN beschreibt diese Plattformen als prägende Akteure in einem Markt, der in kurzer Zeit deutlich gewachsen ist. Im Bericht wird ausgeführt, dass diese Angebote zum Teil auch für Personen attraktiv sind, die nicht aus einer klassischen medizinischen Versorgungssituation heraus handeln.

Auch die Bundesregierung greift diesen Punkt ausdrücklich auf

In der Pressemitteilung des Bundesgesundheitsministeriums werden die Entwicklungen rund um Medizinalcannabis und Online-Angebote ausdrücklich aufgegriffen. Dort heißt es, die Ergebnisse der zweiten Evaluation unterstrichen aus Sicht von BMG, BMI, BMBFSFJ und des Bundesdrogenbeauftragten einen dringenden Handlungsbedarf. Zudem wird auf eine aus Sicht der Bundesregierung zunehmende Unschärfe zwischen Konsumcannabis und Cannabis zu medizinischen Zwecken sowie auf kaum regulierte Internet-Angebote mit sehr hohem THC-Gehalt hingewiesen.

Die Zusammenarbeit von Industrie, Plattformen und Apotheken rückt stärker in den Blick

Für cannabisversorgende Apotheken ist besonders relevant, dass sich die Aufmerksamkeit nicht mehr nur auf einzelne Verordnungen oder Abgaben richtet. Der Bericht beschreibt vielmehr ein Zusammenspiel verschiedener Marktakteure. Genannt werden dabei unter anderem Produzenten, Großhandel, Plattformen und Apotheken. Dadurch verschiebt sich der Blick stärker auf die gesamte Versorgungskette und auf die Frage, wie diese Akteure miteinander verbunden sind. Diese Entwicklung bedeutet nicht, dass Apotheken pauschal problematisiert werden. Sie zeigt aber, dass Kooperationen und Marktmodelle genauer betrachtet werden.

Die Abgabe in der Apotheke wird damit in einen größeren Zusammenhang eingeordnet

Gerade für Apotheken ist das eine wichtige Entwicklung. Die Versorgung mit Medizinalcannabis wird zunehmend nicht mehr nur als klassischer Abgabevorgang gesehen, sondern als Teil eines größeren Systems aus Produktauswahl, Verschreibung, Vermittlung und Belieferung. Wo Plattformen, kooperierende Ärzt:innen, Apotheken und weitere Marktpartner eng zusammenwirken, rückt zwangsläufig auch diese Form der Zusammenarbeit stärker in den Fokus öffentlicher und politischer Beobachtung. Diese systemische Perspektive ist ein wesentlicher Punkt des Berichts.

Gleichzeitig bleibt die fachliche Rolle der Apotheken bedeutsam

Unabhängig von dieser Debatte bleibt die pharmazeutische Versorgung durch Apotheken ein zentraler Bestandteil des Medizinalcannabis-Bereichs. Die Abgabe betrifft verschreibungspflichtige Arzneimittel und erfordert fachliche Prüfung, Beratung und einen sicheren Umgang mit unterschiedlichen Darreichungsformen, Potenzen und Anwendungsfragen. Der Bericht zeigt damit nicht nur, dass der Markt gewachsen ist, sondern auch, dass die Anforderungen an eine strukturierte und qualitätsgesicherte Versorgung weiter steigen.

Werbung, Produktpotenz und Regulierung bleiben Diskussionsthemen

Der EKOCAN-Bericht befasst sich außerdem mit Werbepraktiken, Produktpotenz und der Frage, wie der Markt regulatorisch eingeordnet werden sollte. Das Bundesgesundheitsministerium greift diese Punkte in seiner Pressemitteilung ebenfalls auf. Damit wird deutlich, dass Medizinalcannabis derzeit nicht nur medizinisch und wirtschaftlich, sondern auch regulatorisch stärker in Bewegung gerät. Für alle beteiligten Akteure dürfte deshalb relevant bleiben, wie sich diese Diskussion in den kommenden Monaten weiterentwickelt. (BMG)

Fazit

Der zweite EKOCAN-Zwischenbericht zeigt, dass Medizinalcannabis inzwischen ein bedeutender Teil des deutschen Cannabismarktes ist. Gleichzeitig rücken die Strukturen rund um Plattformen, Verschreibung, Kooperationen und Abgabe stärker in den Fokus. Auch die Pressemitteilung des Bundesgesundheitsministeriums macht deutlich, dass diese Entwicklungen politisch aufmerksam beobachtet und bereits deutlich eingeordnet werden. Für cannabisversorgende Apotheken ist deshalb vor allem relevant, dass neben der Versorgung selbst zunehmend auch das Umfeld betrachtet wird, in dem diese Versorgung stattfindet.